Tagungsband zur AGG-Fachtagung veröffentlicht

10-jahre-agg-tagungsbandEs war einer der wichtigsten Meilensteine unserer Arbeit des vergangenen Jahres, Teil der Fachtagung „10 Jahre AGG – Evaluation und Ausblick“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zu sein. Im Forum „Aller guten Dinge sind sechs?“ hat unsere Gründerin und stellvertretende Vorsitzende, Stephanie Freifrau von Liebenstein, unsere Positionen auf dem Podium erfolgreich vertreten:
Sowohl Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages (Bündnis 90 / Die Grünen), als auch Steffen Beigang, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), sprachen sich klar für eine Aufnahme des „äußeren Erscheinungsbildes“ als schützenswertes Merkmal aus, wobei unter diesem Oberbegriff innerhalb der Diskussion Merkmale wie Gewicht und Größe zusammengefasst worden waren.
Den genauen Diskussionsverlauf können Sie ab sofort im zugehörigen Tagungsband nachlesen.

Keine Solidarität für dicke Menschen

505593_original_R_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de„Dicke müssen endlich zahlen“, so die Forderung von Christoph Zürcher von der Neuen Zürcher Zeitung, der damit einen Aufpreis meint – schließlich würde das im Falle von übergewichtigem Gepäck genauso gehandhabt. Seine Sorge gilt den durch dicke Fluggäste reduzierten Gewinnen. Für die Flugbranche kündigt er daher das Solidaritätsprinzip auf und kommt zu dem Schluss: „Fliegen ist kein Menschenrecht.“
Diese Aussage stimmt erstmal in sich, denn in Art. 2 bis 18 der Europäischen Menschenrechtskonvention findet sich kein Recht auf Mobilität oder Teilhabe. Aus Art. 3 ließe sich allerdings durchaus ableiten, dass man Menschen generell nicht wie Gepäckstücke behandeln sollte, denn „Niemand darf […] erniedrigender […] Behandlung unterworfen werden.“ Darüber hinaus ist die Achtung der Menschenwürde in Art. 7 der Bundesverfassung der Schweiz verankert, sie scheint allerdings in vergleichbar geringem Maße Anwendung im Falle von dicken Menschen zu finden wie Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes.
Zum Artikel der NZZ
Dicke müssen endlich zahlen

Drei von vier US-Amerikaner_innen unterstützen gesetzliche Maßnahmen gegen Gewichtsdiskriminierung

Befragten in den USA wurden in einer Studie drei fiktive Gesetzesvorhaben vorgelegt, die dicke Menschen vor Diskriminierung schützen sollen. Über 70 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass dicke Menschen denselben juristischen Schutz und dieselben Leistungen erhalten sollten wie Behinderte. Mehr als Dreiviertel der Befragten forderten die Einbeziehung von Gewichtsdiskriminierung in die Bürgerrechte (civil right laws). Und fast 80 Prozent sprachen sich für Maßnahmen gegen die Diskriminierung dicker Menschen am Arbeitsmarkt aus. Der Anteil der Befragten, die sich für Antidiskriminierungsmaßnahmen aussprachen, stiegt zwischen 2012 und 2015 um mehr als sieben Prozent. „Drei von vier US-Amerikaner_innen unterstützen gesetzliche Maßnahmen gegen Gewichtsdiskriminierung“ weiterlesen

Protest kann so kreativ sein: Unsere Vorsitzende war als mobiles Plakat unterwegs

citylight-plakatAn Ideen für Plakatmotive mangelt es dem Team der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung nicht, doch noch gibt die Vereinskasse keine große Plakatkampagne her. Glücklicherweise genügt für große Aufmerksamkeit oft eine kleine Idee, wenn es die richtige ist. Unsere war ein 50 x 100 cm großer Plakatrahmen, der von hinten mit 120 LEDs beleuchtet wird und auf dem Rücken getragen werden kann – ein mobiles Citylight sozusagen.
„98 Prozent der Personaler*innen trauen dicken Frauen keine prestigeträchtigen Berufe wie Ärztin oder Architektin zu. 48 Prozent der Pflegekräfte empfinden es als unangenehm, dicke Menschen zu versorgen.“
Das sind Zahlen, die sich nicht ignorieren lassen, vor allem wenn sie als menschliches Plakat auf der Fachtagung „10 Jahre Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz – Evaluation und Ausblick“ herumspazieren. Das Plakat stieß auf reges Interesse beim Publikum und war Türöffner für viele Gespräche.

Fachtagung "10 Jahre AGG – Evaluation und Ausblick"

agg_fachtagung_slnrSoll man das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz AGG um weitere Diskriminierungsmerkmale ergänzen und wenn ja, um welche? Sollen die Merkmale explizit genannt werden oder ist es strategisch klüger, eine offene Aufzählung zu verwenden, beispielsweise mit einer Formulierung wie „sonstige Merkmale“? Und wie lässt sich eine Anpassung des AGG in Hinblick auf weitere Merkmale am besten politisch umsetzen?
Das waren nur einige der Fragen, die im Forum „Aller guten Dinge sind sechs?“ der heutigen Fachtagung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) diskutiert wurden. Mitten dabei war Stephanie von Liebenstein, unsere Gründerin und stellvertretende Vorsitzende, die zusammen mit Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages (Grüne), Dr. Sabine Berghahn, Privatdozentin an der FU Berlin, und Steffen Beigang, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung BIM, auf dem Podium saß. In ihrem Vortrag über Diskriminierungserfahrungen dicker Menschen fokussierte sie auf Lebensbereiche wie Arbeitswelt und Medizin/Gesundheitswesen, bei denen das AGG anwendbar wäre, wäre „Gewicht“ ein geschütztes Merkmal.
Auch unsere Vorsitzende, Natalie Rosenke, war vor Ort und mit ihrem riesigen LED-beleuchteten Plakat auf dem Rücken buchstäblich nicht zu übersehen. Das Plakat stieß auf reges Interesse beim Publikum und war Türöffner für viele Gespräche. Fazit: Erfolg auf der ganzen Linie und einige schöne Einladungen zu weiteren Veranstaltungen! Wir danken der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für die Einladung und die inhaltlich ungemein ertragreiche Tagung.

Aktion "Gewichtsdiskriminierung fordert Opfer. Täglich."

GgG_AGG_Festakt_01Im August 2016 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zehn Jahre alt geworden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat dies zum Anlass genommen, mit einem Festakt unter dem Titel „10 Jahre Schutz vor Diskriminierung in Deutschland“ auf die Erfolge zurückzublicken und zukünftigen Ziele, wie eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes, in den Fokus zu rücken. Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung hat an letzteren Punkt angeknüpft und die Diskriminierung dicker Menschen mit der Aktion „Gewichtsdiskriminierung fordert Opfer. Täglich.“ vor Ort visuell thematisiert.
Die Ergebnisse der Befragung „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ haben ein starkes Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Schutzes des äußeren Erscheinungsbildes geschaffen. Das zeigte sich deutlich in der Podiumsdiskussion, in der hierauf Bezug genommen und insbesondere auf das Merkmal Gewicht sowie Gewichtsdiskriminierung hingewiesen wurde.
Das Outfit unserer Vorsitzenden, Natalie Rosenke, konnte darüber hinaus politisch begeistern: Wir freuen uns sehr, dass wir voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres die Möglichkeit bekommen, einen Vortrag zum Thema Gewichtsdiskriminierung bei den Berliner Grünen zu halten.

"Deine Stimme hat Gewicht" weiterhin auf Erfolgskurs

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Im Herbst 2015 haben wir mit der Aktion „Deine Stimme hat Gewicht“ zur Teilnahme an der Befragung „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ aufgefordertDer Aufruf war so erfolgreich, dass wir von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zum Workshop für Expertinnen und Experten eingeladen wurden, um über die Studienergebnisse und Empfehlungen zu diskutieren. 
Gerne sind wir in unserem Sack im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorbeigehüpft : )
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Mitmischen: mit Mission im Bundesministerium
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Deine Stimme hat Gewicht: Fakt!

Das Antidiskriminierungsgesetz feiert 10-jähriges Bestehen

Vor 10 Jahren ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist es laut § 1 „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“ Damit bietet das Gesetz bisher keinen allgemeingültigen sondern nur einen auf die genannten Merkmale begrenzten Schutz vor Diskriminierung.
Das wird von Initiativen wie der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V.​ und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)​ gleichermaßen kritisiert. „Das AGG ist noch jung und viele Fragen zu Diskriminierung in Deutschland sind kaum oder gar nicht wissenschaftlich untersucht oder durch die Rechtsprechung geklärt. Wir wissen zum Beispiel noch zu wenig darüber, wer in Deutschland von Diskriminierung betroffen ist und aufgrund welcher Merkmale Menschen am häufigsten benachteiligt werden. Deshalb arbeitet die Antidiskriminierungsstelle daran, mehr Erkenntnisse zum Thema zu gewinnen und Forschung voranzutreiben.“
Ein Meilenstein auf diesem Weg war die groß angelegte Bevölkerungsbefragung zu „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ im Herbst 2015, an der mehr als 18.000 Menschen teilnahmen und deren Zwischenbericht im Frühling diesen Jahres veröffentlich wurde.
Wir gratulieren der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die zeitgleich mit dem Gesetz am 18.08.2006 den Dienst aufgenommen hat, zum 10-jährigen Bestehen und wünschen ihr, dass der finale Bericht der Befragung sich als ein Hebel erweist, mit dem die politische Diskussion zur Überarbeitung des AGG angestoßen werde kann.

Berliner Ratschlag für Demokratie zeichnet die Arbeit der GgG e.V. aus

BRfD-Respekt-gewinntWir freuen uns sehr, dass die GgG e.V. für die Aktion „Deine Stimme hat Gewicht“ vom Berliner Ratschlag für Demokratie​ im Rahmen des Wettbewerbs „Respekt gewinnt!“ mit einer besonderen Auszeichnung bedacht wurde. Der Wettbewerb ist Teil der Online-Plattform des BRfD, die ehrenamtlichen Projekten aus und für Berlin die Möglichkeit gibt, sich vorzustellen und zu vernetzen. Neu eingetragene Projekte nehmen dabei automatisch einmalig am Projekt-Wettbewerb teil.

Ziel der Aktion „Deine Stimme hat Gewicht“ ist es, eine Erweiterung des Antidikriminierungsgesetzes um ein Merkmal zu erreichen, das Gewichtsdiskriminierung adressiert. Der erste Schritt auf diesem Weg war ein von uns produziertes YouTube-Video, das zur Teilnahme an der Bevölkerungsbefragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)​ im vergangenen Herbst auffrief, denn der Fragebogen zur Sammlung von Diskriminierungserfahrungen in Deutschland bot über den Punkt „Anders, und zwar“ die Möglichkeit, Diskriminierungsursachen zu nennen, die sich nicht auf eines der im AGG erfassten Merkmale zurückführen lassen.
Der Zwischenbericht zur Auswertung der Erhebung gibt erste Hinweise darauf, dass äußere Merkmale in signifikanter Häufigkeit genannt wurden. Das Merkmal „Gewicht“ wird hier bereits separat aufgeführt und wurde auf der Bundespressekonferenz von der Leiterin der ADS, Christine Lüders, ebenfalls thematisiert.