Online-Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung

Wir freuen uns sehr, dass wir vom Frauen- und Gleichstellungsbüro Marburg-Biedenkopf gebeten wurden, anlässlich des Internationalen Anti-Diät-Tages eine Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung zu geben. Die Veranstaltung war ursprünglich in Präsenz geplant. Durch den Wechsel des Formats können Interessierte gern noch kurzfristig dazustoßen

Dick ist kein Defizit. Dick ist ein Recht
Online-Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung
06.05. in der Zeit von 16:00 bis 18:30 Uhr
Anmeldung über frauenbuero@marburg-biedenkopf.de

Nachruf Cat Jeffrey Pausé 1979-2022

„Hi doll, how are you?” – So begannen viele ihrer Emails, und sie endeten stets mit ein paar Küsschen und „fetten Grüßen“. Cat Pausé schickte Postkarten mit bunten Briefmarken und inspirierenden Worten von Neuseeland aus in die ganze Welt; oft lag auch ein kleines Geschenk ihren Sendungen bei. Ihre Großzügigkeit, Warmherzigkeit und Zugewandtheit waren legendär; sie finanzierte die Reisekosten von Studierenden zu internationalen Konferenzen; sie nahm sich Zeit für Gespräche, die in ihrer Zeitzone mitten in der Nacht lagen; sie half anderen Forscher*innen beim Schreiben und Strukturieren ihrer Ideen und förderte Nachwuchswissenschaftler*innen, wo es nur möglich war.

Cat Pausé lehrte und forschte im Bereich Fat Studies/Soziologie/Public Health. Nach ihrem Studium in Soziologie an der Tech University Texas machte sie dort 2007 ihren Dr. phil. mit einer Arbeit über Identität und Gewicht bei hochgewichtigen Frauen; seit 2008 arbeitete die US-Amerikanerin im Fachbereich Pädagogik der Massey University, Palmerston, Neuseeland. 2017 kam eine weitere Qualifikation in Public Health dazu. Ihre Publikationsliste ist umfangreich ebenso wie die Liste ihrer Vorträge und öffentlichen Auftritte.

Cat war eine begabte Kommunikatorin, deren ungewöhnliche Fähigkeit, mit Dutzenden von Menschen weltweit regelmäßigen, herzlichen Kontakt zu halten, zu einem weltweit umspannenden Netzwerk von Dickenaktivist*innen und Fat-Studies-Forschenden beigetragen hat. 2017 bereiste sie im Rahmen eines Forschungsaufenthalts Europa und nahm dort systematisch Kontakt zu allen in Europa ansässigen Dickenaktivist*innen auf. Ihr Netzwerk ging aber weit über Europa, die USA und Neuseeland hinaus. Für ihren Podcast und ihre Radio-Show „Friend of Marilyn“, in dessen Titel sie auf die Dickenaktivismus-Ikone Marilyn Wann Bezug nahm, interviewte sie Aktivist*innen in allen Teilen der Welt. Sie organisierte drei große, einflussreiche internationale Tagungen im Bereich Fat Studies, die Forschende weltweit zusammenbrachte. Die dritte sollte im Juli 2022 stattfinden. Das von ihr zusammen mit Sonya Reneé Taylor herausgegebene International Handbook of Fat Studies (2021) vereint Forschende aus diversen Ländern und repräsentiert verschiedenste Disziplinen. Ihre Online-Vorlesungsreihe „Fat Studies MOOO“ versammelte eine ungewöhnliche Vielfalt an Aspekten und Hintergründen.

So leistete sie einen erheblichen Beitrag dazu, dass Fat Studies keine Disziplin bleibt, die auf die englischsprachigen Länder beschränkt ist.

Wir kannten sie persönlich, sie lebte 2017 im Rahmen ihres Forschungsaufenthalts einige Monate in Berlin, wo sie die Berliner Aktivist*innen-Szene („my dear Berlin fatties“) mit Karaoke-Abenden und Auftritten u.a. bei der von queeren Aktivist*innen organisierten „Fat Party“ aufmischte. Sie hatte einen unverwechselbaren Style und das Talent, mit Menschen verschiedenster Hintergründe sofort einen warmherzigen Kontakt aufzunehmen. Sie war modebewusst, politisch und kommunikativ klug, charmant, wahnsinnig gutaussehend.

Gleichzeitig – und das zeigte sich sofort, wenn man mit ihr arbeitete – war sie diszipliniert und hochprofessionell. Sie arbeitete Tag und Nacht, nahm keine Rücksicht auf sich, wenn eine Online-Veranstaltung in einer für sie ungünstigen Zeitzone lag und sie um 3 Uhr morgens einen Vortrag halten musste. Sie organisierte rasend schnell, mobilisierte Menschen für die verschiedensten Projekte. Ihre eigenen Beiträge gab sie überpünktlich ab und war sich für keinen Vortrag, sei er noch so entlegen, zu schade. Lud man sie zu irgendetwas ein, war sie dabei. Trotz dieser enormen Arbeitsbelastung blieb sie stets freundlich zugewandt, voller Witz und Charme.

In der Erinnerung unserer Freundschaft und Zusammenarbeit bleibt auch, wie sie private und berufliche Sphären trennte: Ging es in einer Mail um eine Zusammenarbeit an einem Buch oder Artikel, wählte sie eine höfliche, aber formelle Anrede und einen eher kühlen Schluss. Im selben Atemzug konnte sie einem aber eine private Mail schicken, die mit „Hi doll“ begann und mit „XoXoXo“ endete.

Cat wird in Erinnerung bleiben als eine von Leben sprühende Wissenschaftlerin und Aktivistin, die das einzigartige Talent besaß, Menschen zusammenzubringen und aus den Fat Studies in den USA eine weltweite Bewegung zu machen. Cat Pausé starb in der Nacht des 26. März 2022 plötzlich im Schlaf. Wir vermissen sie und werden sie nie vergessen.

Politik

Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?

Vorurteile, denen sich dicke Menschen auf dem Arbeitsmarkt gegenübersehen. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben sie daher erheblich … „Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?“ weiterlesen

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, … „Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?“ weiterlesen

Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen

Das ist das Ziel der digitalen Podiumsdiskussion am 18. August, bei der auch das Publikum den 5 Kandidat:innen für den … „Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen“ weiterlesen

Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?

Vorurteile, denen sich dicke Menschen auf dem Arbeitsmarkt gegenübersehen. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben sie daher erheblich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben als dünne Menschen. Sie verdienen sogar schlechter (Weight-Pay-Gap). Wir haben die Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl gefragt, was sie dagegen tun werden.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Gewicht ist keine durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützte Diskriminierungsdimension. Der Weg über eine der enthaltenen Diskriminierungskategorien wie Behinderung war mehrfach vor Gericht nicht erfolgreich, da hierfür verschiedene Bedingungen erfüllt sein müssen, die bei höherem Gewicht nicht zwangsweise gegeben sind. Die Klagen sind daher gescheitert. Trotzdem verweisen die Parteien vielfach auf dieses Gesetz. Nur eine Partei ist sich der Schutzlücke bewusst. Wir werden daher weiterhin dafür streiten, dass Gewicht in § 1 AGG aufgenommen wird, und auf den fehlenden Schutz vor Gewichtsdiskriminierung hinweisen.

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, darunter die Frage, wie sie eine diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung dicker Menschen sicherstellen wollen.

Leider zeigen die Antworten einiger Parteien auf, wie wenig sie für das Thema sensibilisiert sind. Sie sprechen sich zwar gegen Diskriminierung aus, sehen den dicken Körper aber als Eigenverschulden und Zeichen mangelnder Ernährungsbildung. Dick und gesund sind für sie eine unvereinbare Kombination und die Herstellung des dünnen Körpers die gesundheitliche Maßnahme mit oberster Priorität. Aufklärung ist und bleibt ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.

Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen

Das ist das Ziel der digitalen Podiumsdiskussion am 18. August, bei der auch das Publikum den 5 Kandidat:innen für den Bundestag Fragen stellen kann. Wie wäre es mit einer Frage zum Thema Gewichtsdiskriminierung? Wir laden Euch herzlich ein dabei zu sein. Die Anmeldung findet Ihr hier.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Wahlkompass Antidiskriminierung statt und wurde durch den Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd) organisiert, der zusammen mit der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung Träger des Projekts ist.

Portrait Dr. Jens Brandenburg © Tobias Koch
Portrait Gökay Akbulut © Andi Weiland
Portrait Ye-One Rhie © Maximilian König
Portrait Paul Lehrieder © DBT / Inga Haar

Gesundheit

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, … „Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?“ weiterlesen

Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?

Zu diesem Thema hatten wir Anfang Mai mit unserem Beiratsmitglied Dr. Friedrich Schorb gesprochen. Jetzt wurde das Thema nochmals von … „Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?“ weiterlesen

Forschungsvorhaben “Körperakzeptanz & Gewicht“

Wir freuen uns immer wieder, wenn uns Forschungsanfragen erreichen, da die Ergebnisse unsere Arbeit für Euch überhaupt erst möglich machen. … „Forschungsvorhaben “Körperakzeptanz & Gewicht““ weiterlesen

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, darunter die Frage, wie sie eine diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung dicker Menschen sicherstellen wollen.

Leider zeigen die Antworten einiger Parteien auf, wie wenig sie für das Thema sensibilisiert sind. Sie sprechen sich zwar gegen Diskriminierung aus, sehen den dicken Körper aber als Eigenverschulden und Zeichen mangelnder Ernährungsbildung. Dick und gesund sind für sie eine unvereinbare Kombination und die Herstellung des dünnen Körpers die gesundheitliche Maßnahme mit oberster Priorität. Aufklärung ist und bleibt ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.

Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?

Zu diesem Thema hatten wir Anfang Mai mit unserem Beiratsmitglied Dr. Friedrich Schorb gesprochen. Jetzt wurde das Thema nochmals von der Süddeutschen Zeitung und Spiegel Online aufgegriffen. Dr. Schorb hat sich beide Artikel genauer angesehen:

Risikofaktoren für Vorurteile

Mit den Überschriften “Risiko Fettleibigkeit“ und “Forscher weisen höheres Sterblichkeitsrisiko durch Fettleibigkeit nach“ verweisen Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online auf eine britische Studie zu Risikofaktoren für die Sterblichkeit von Covid-19-Patient*innen. Weder Süddeutsche Zeitung noch Spiegel Online nennen in ihren Artikeln konkrete Zahlen, wie stark denn nun die Sterblichkeit durch “Fettleibigkeit“ bei Covid-19-Patient*innen erhöht ist. Dafür sind beide Artikel mit Bildern sogenannter “headless fatties“ illustriert, also mit Fotos von dicken Menschen ohne Kopf, dafür aber mit entblößten oder leichtbekleideten Bauch.

Der Fachartikel aus dem British Medical Journal auf den sich sowohl Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung beziehen, befasst sich mit dem Einfluss von Vorerkrankungen auf das Sterblichkeitsrisko von Covid-19-Patient*innen in Großbritannien. Neben dem hohen Lebensalter, dem mit Abstand höchsten Risiko für Covid-19-Patient*innen, werden in einer Tabelle eine Reihe weiterer chronischer Erkrankungen genannt, die die Sterblichkeit für Covid-19 moderat erhöhen. In dieser Auflistung steht auch hohes Körpergewicht, definiert hier als BMI größer 30. Allerdings erwähnt der Artikel auch, dass nur 11 Prozent der beobachteten rund 20.000 Patient*innen einen BMI größer 30 hatten. Nach aktuellen Erhebungen haben aber fast 30 Prozent der erwachsenen britischen Bevölkerung einen BMI im entsprechenden Bereich.

Der Artikel kann dafür keine zufriendenstellende Erklärung anbieten. Mutmaßlich hätten nicht alle Ärzt*innen den BMI bei der Einweisung der Patient*innen erfasst. Was nicht im Artikel steht: Mutmaßlich haben die Ärzt*innen den BMI vor allem bei denjenigen Patient*innen erfasst, die ganz offensichtlich hochgewichtig waren, also einen BMI deutlich über 30 hatten. In jedem Fall hat die Studie durch die lückenhafte Erfassung keine Aussagekraft mehr für die Frage, ob hohes Körpergewicht ein Risikofaktor für Covid-19-Patient*innen darstellt. Dementsprechend wird in der Veröffentlichung auch gar nicht weiter darauf eingegangen – dafür aber umso ausführlicher auf andere Risikofaktoren.

Wer hingegen die Überschriften von SZ und Spiegel Online liest und die dazugehörigen Bilder sieht, bekommt einen gänzlich anderen Eindruck. Hier wird suggeriert, erhöhte Sterblichkeit aufgrund des Körpergewichts sei das zentrale Ergebnis der Studie. Was wiederum vor allem eines beweist: Risikofaktoren für Vorurteile sind irreführende Überschriften und stigmatisierende Bilder.

SPON
Covid-19-Beobachtungsstudie: Forscher weisen höheres Sterblichkeitsrisiko durch Fettleibigkeit nach

SZ
Covid-19: Risiko Fettleibigkeit