Zeig mit uns Gewichtsdiskriminierung die rote Karte!

In Berlin ist ein Diskriminierungsschutz für das Merkmal Gewicht zum Greifen nahe. Die Frauen von Bündnis 90/Die Grünen Berlin und die Jusos Berlin haben sich 2018 dafür ausgesprochen, Gewicht in §2 des Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG) aufzunehmen, die sozialdemokratischen Frauen (ASF-Berlin) im September. Heute ist nun auf dem Landesparteitag der Antrag mit dem Titel “Den Schutz vor Gewichtsdiskriminierung im LADG explizit verankern“ beschlossen worden!

Jetzt geht es darum, dass das Merkmal in den letzten Verhandlungsrunden für das Gesetz auf den Tisch kommt. Dabei brauchen wir Ihre Unterstützung! Warum ist dieses politische Signal für Sie wichtig? Warum sollte Gewichtsdiskriminierung dringend Thema in der politischen Debatte werden? Teilen Sie Ihre Gedanken in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #LADGmitGewicht. Sie haben Kontakte in die Politik hinein? Dann setzen Sie das Thema auf die Agenda!

Sie wohnen nicht in Berlin? Das Gesetz betrifft Sie dennoch, und zwar ausfolgendem Grund: Das Landesantidiskriminierungsgesetz von Berlin wird das erste verabschiedete Gesetz seiner Art in der Bundesrepublik sein. Schafft es das Merkmal Gewicht in § 2 des LADG für Berlin, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das Merkmal bald auch in den Entwürfen weiterer Bundesländer findet.

Darüber hinaus unterstützen Sie unsere Arbeit in hohem Maße, wenn Sie sich für dieses Anliegen einsetzen. Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung wurde 2005 gegründet und hat bis heute weder eigene Räume noch finanzierte Stellen. Ursache ist, dass die hierfür erforderlichen Fördermittel auf die Bevölkerungsgruppen zugeschnitten sind, die sich aus den in § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) genannten Merkmalen ableiten lassen. Gewicht ist keines der genannten Merkmale und wird auch von keinem anderen vollumfänglich erfasst. Sollte Gewicht ins Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) von Berlin aufgenommen werden, könnte sich das auf Landesebene ändern. Die Finanzierung unserer Arbeit würde uns vieles ermöglichen, was wir ehrenamtlich nicht leisten können, beispielsweise eine Beratung für Betroffene.

Abschließend noch ein paar Anmerkungen zum Geltungsbereich des Gesetzes für Interessierte. Das LADG ist ein Landesgesetz und richtet sich damit auf das, was in die Zuständigkeit des Landes Berlin fällt. Es findet Anwendung in allen Bereichen, in denen Bürger*innen auf öffentliche Verwaltung, Bildungswesen oder Polizei treffen, also beispielsweise im Finanzamt, in der Schule und in der Justiz. Es ergänzt damit das bundesweit privatrechtlich wirksame Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG)
Entwurf (aktueller Stand)

Landesparteitag der SPD 2019
Antrag 191/II/2019: „Den Schutz vor Gewichtsdiskriminierung im LADG explizit verankern“

GRÜNE Frauen*Konferenz 2018
Antrag V3 Diskriminierungsmerkmal „Gewicht“ ins Landesantidiskriminierungsgesetz

JUSOS Landesdelegiertenkonferenz 2018
Antrag F2_1/18 “Mein Körper geht nur mich etwas an!“: Stop Fatshaming!

Pressemitteilung der GgG
Kommt der rechtliche Schutz vor Gewichtsdiskriminierung?



Unterstütze mit uns „Dick im Geschäft“

Gewichtsvielfalt ist selten ein Thema, wenn von Diversity gesprochen wird, denn bisher ist Gewicht keine in der Charta der Vielfalt genannte Diversity Dimension. Mit einem Klick könnt Ihr dazu beitragen, dass sich das ändert!

Der pme Familienservice​ hat es mit seiner Kampagne „Dick im Geschäft“ in die Endausscheidung für die schönste Aktion 2019 der Charta der Vielfalt geschafft. Die Kampagne richtet sich gezielt an dicke Fachkräfte und fordert sie zur Bewerbung auf. „Das ist eine Win-Win-Situation für beide – für uns als Arbeitgeber, weil wir den Teil der Work Force ermutigen, bei uns zu arbeiten, der woanders schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und es ist schön, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem man nicht wegen seines Körpergewichts gemobbt wird“.

Die Kampagne besetzt den dicken Körper positiv und bringt Gewichtsdiskriminierung zur Sprache, damit hat sie ganz klar unsere Stimme. Das siehst Du genauso? Dann auf zur Abstimmung – jede Stimme zählt!

Die Abstimmung läuft noch bis zum 12. Juli.

Lasst uns über Gewichtsdiskriminierung reden!

Ein Motiv der Kampagne #DarüberReden

Ausgeschlossen zu werden, das ist eine Diskriminierungserfahrung, die viele Gruppen in unterschiedlicher Weise betrifft. „In den Club wurde ich nicht reingelassen“ gilt bei dicken Menschen vor allem für Fitness Clubs. Der dicke Körper entspricht nicht dem Bild, mit dem die Branche nach außen wirbt. Jetzt können Diskriminierungserfahrungen wie diese politisch etwas bewegen, denn die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat die Kampagne „Darüber Reden“ gestartet. Schildern Sie Ihre Diskriminierungserfahrungen, damit Gewichtsdiskriminierung politisch sichtbar wird! Mischen Sie mit auf Twitter, Facebook und Instagram und vor allem: Sagen Sie weiter! Begleitend zu der Kampagne werden laut ADS Unterrichtsmaterialien für Schulen erarbeitet und Live-Events mit prominenten Gästen veranstaltet. Eine #DarüberReden-Abschlussveranstaltung im Januar wird nach Ende der Kampagne die unter #DarüberReden geschilderten Erfahrungen auswerten und politische Antworten formulieren. Ihr habt in der Hand, ob Gewichtsdiskriminierung hier Thema sein wird.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Kampagne:
www.darueberreden.de

Hessenwahl 2018 – Was sagen die Parteien zum Thema Gewichtsdiskriminierung?

Wahlkompass Antidiskriminierung zur Landtagswahl 2018 in Hessen

Es ist ein besonderes Jahr für die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Aus unserer Initiative „Die Wahlprüfsteine“ ist der „Wahlkompass Antidiskriminierung“ entstanden. Gemeinsam mit dem Antidiskriminierungsverband Deutschland sind wir Träger des Projekts, dem sich für die Landtagswahl in Hessen 34 Organisationen angeschlossen haben, um gemeinschaftlich mit Fragen zu Diskriminierungsschutz, Gleichberechtigung und Teilhabe an die Parteien heranzutreten. Wir haben erneut Wahlprüfsteine zum Thema Gewichtsdiskriminierung eingebracht. In den kommenden Tagen werden wir nach und nach die Antworten als Countdown zur Wahl veröffentlichen.

Die GRÜNEN Frauen* fordern einen Diskriminierungsschutz für das Merkmal Gewicht

Landesarbeitsgemeinschaft Frauen* und Gender Berlin

Auf dem ersten GRÜNEN Frauen*parteitag haben sich die GRÜNEN Frauen* für die Aufnahme des Merkmals Gewicht ins Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) von Berlin ausgesprochen. Das Gesetz ist in der Entwurfsphase. Es wird von der Rot-Rot-Grünen Koalition in Berlin ausgestaltet. Mit der Aussage, dass Gewichtsdiskriminierung den Menschenrechten zuwider läuft, haben die GRÜNEN Frauen* das Thema klar auf die Agenda für die weiteren Gespräche gesetzt.

Es könnte einer der Beschlüsse sein, auf den die deutsche Fat Acceptance Bewegung als Meilenstein zurückblicken wird. Wir sagen Danke dafür, insbesondere in Richtung der Berliner LAG Frauen* und Gender, die den Antrag eingebracht hat.

Gewichtsdiskriminierung wird Thema im Herrenhäuser Gespräch

„Dick oder Dünn? Der Tanz ums goldene Körpergewicht“, so lautet das Thema des 51. Herrenhäuser Gesprächs. Die renommierte Veranstaltungsreihe von VolkswagenStiftung und NDR Kultur hat insgesamt vier Expert*innen aufs Podium gebeten, darunter die Gründerin der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, Stephanie von Liebenstein. Die Veranstaltung im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen (Hannover) steht Interessierten offen, der Eintritt ist frei.
Podiumsrunde:
Prof. Dr. Eva Barlösius
Institut für Soziologie, Leibniz Universität Hannover
Prof. Dr. Jutta Mata, Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie
Universität Mannheim
Stephanie Frfr. von Liebenstein
Gründerin der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung
PD Dr. Thomas Ellrott
Institut für Ernährungspsychologie, Georg-August Universität Göttingen
Dieses Herrenhäuser Gespräch wird am 23.09.2018 um 20.00 Uhr im NDR Sonntagsstudio ausgestrahlt.

Diskriminierung, aber mit Smiley

Tweet des GKV-Spitzenverbandes vom 17. Juni 2018

Die Antidiskriminierungsverbände Netzwerk Artikel 3 und Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung kritisieren die Twitter-Aktion des GKV-Spitzenverbands zum diesjährigen World Emoji Day als diskriminierend. Dieser hatte am 17.7. anlässlich des inoffiziellen Feiertages Emojis für verschiedene Gesundheitszustände vergeben. Parkinson wurde zur winkenden Hand, die einseitige Lähmung zum schmunzelnden Smiley, Impotenz zu einem nach unten zeigenden Da men und Adipositas zu einem Schweinchen. Betroffene und Antidiskriminierungsorganisationen kritisieren die Aktion als unsensibel und stigmatisierend.

Im Zentrum der Kritik steht dabei, dass durch die Aktion Krankheitsbilder ins Lächerliche gezogen und einseitige Stereotype wiederholt werden: So kann eine Leberzirrhose auf ganz unterschiedlichen Ursachen beruhen, unter anderem einer chronischen Virushepatitis. Die Repräsentation der Erkran- kung durch alkoholische Getränke – wie in der GKV-Aktion geschehen – verstärken jedoch das in der Bevölkerung ohnehin schon vorherrschende stigmatisierende Bild, dass die Betroffenen doch eigentlich selbst schuld an ihrer Erkrankung seien.
Die Wahl eines Schweins zur Darstellung von Adipositas verdeutlicht, in wie hohem Maße der „Witz“ dabei auf Kosten der Betroffenen ging. „Dass dicke Menschen sich ausgerechnet vom Spitzenver- band der gesetzlichen Krankenkassen als fette Sau bezeichnen lassen müssen, ist erschreckend. Wir wehren uns gegen diese Form von Entmenschlichung,“ so Natalie Rosenke, Vorsitzende der Gesell- schaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Bei der Darstellung dicker Menschen als Schwein schwinge auch das Vorurteil mit, dicke Menschen seien maßlos, verfressen und impulsiv.

Der Dritte Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: Diese Sicht auf dicke Menschen ist nicht ungewöhnlich im Gesundheitswesen. Das Risiko, im Bereich Gesundheitswesen anhand des Gewichts diskriminiert zu werden, ist ausgesprochen hoch. Menschen mit einer Behinderung oder psychischen Erkrankung erfahren hier ebenfalls auffallend häufig Diskriminierungen. Sie werden viel- fach nicht ernst genommen, und ihre individuellen Bedürfnisse bleiben allzu oft unberücksichtigt.

Der GKV-Spitzenverband hat sich inzwischen für den Tweet entschuldigt, doch Fragen bleiben: Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekas- sen in Deutschland einen Beitrag dazu leistet, die Diskriminierung dicker Menschen weiter zu ver- schärfen? Natalie Rosenke stellt klar: „Von einem Spitzenverband wie dem der gesetzlichen Kran- kenversicherungen, die für die Gesundheitsversorgung der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung zuständig sind, erwarten wir als Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, dass er es als seine Aufgabe begreift, diskriminierende Stereotype abzubauen statt sie noch zu befördern“.

Pressemitteilung als PDF

Anti-Diät-Tag 2018: das Thema "Gewichtsdiskriminierung" nimmt politisch Fahrt auf

Am Internationalen Anti-Diät-Tag 2018 blicken wir mit Freude auf einen Start ins Jahr zurück, der für die Akzeptanz dicker Menschen in unserer Gesellschaft einen entscheidenden Wendepunkt darstellen könnte. In Berlin sind die Forderungen der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung auf Landesebene von der SPD aufgegriffen worden. Die JUSOS des Bezirks Mitte konnten sämtliche Bezirksverbände für die Anliegen unseres Forderungskatalogs gewinnen und die SPD Berlin-Mitte für drei der Hauptforderungen, darunter die Aufnahme des Merkmals Gewicht in das Landesantidiskriminierungsgesetz von Berlin. Sollte diese Erweiterung des Diskriminierungsschutzes umgesetzt werden, würde Deutschland damit eine Vorreiterrolle innerhalb Europas einnehmen. Bisher gibt es mit Reykjavík nur eine Stadt, die einen Schutz vor Diskriminierung anhand von Gewicht gesetzlich festgeschrieben hat.
Für die kommenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern werden wir unsere Forderungen in Wahlprüfsteine umformen und mit den so entstandenen Fragen an alle Parteien herantreten, die eine gute Chance auf den Einzug in den Landtag haben. Wir werden damit den Grundsteine dafür legen, dass wir zukünftig vergleichbar gute Neuigkeiten aus weiteren Bundesländern für Sie haben.
Ihr Team der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung

Unser politischen Forderungen für das Land Berlin
JUSOS Berlin
Beschluss F2_1/18
SPD Berlin-Mitte
Beschluss A18/I/2018

"Die Dicken sind doch selber schuld!" – eine typisch deutsche Haltung?

Ein hohes Gewicht wird in Deutschland vor allem als selbstverschuldet betrachtet, so das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Max Planck Instituts. Der Grad der zugesprochenen Verantwortlichkeit lag hier bei 78,2 Prozent und damit vor den USA mit 77,6 Prozent und UK mit 70,2 Prozent. Fast jeder Dritte in Deutschland ist darüber hinaus der Meinung, dass dicke Menschen ihre Behandlung selbst bezahlen sollten.