Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?

Vorurteile, denen sich dicke Menschen auf dem Arbeitsmarkt gegenübersehen. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben sie daher erheblich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben als dünne Menschen. Sie verdienen sogar schlechter (Weight-Pay-Gap). Wir haben die Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl gefragt, was sie dagegen tun werden.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Gewicht ist keine durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützte Diskriminierungsdimension. Der Weg über eine der enthaltenen Diskriminierungskategorien wie Behinderung war mehrfach vor Gericht nicht erfolgreich, da hierfür verschiedene Bedingungen erfüllt sein müssen, die bei höherem Gewicht nicht zwangsweise gegeben sind. Die Klagen sind daher gescheitert. Trotzdem verweisen die Parteien vielfach auf dieses Gesetz. Nur eine Partei ist sich der Schutzlücke bewusst. Wir werden daher weiterhin dafür streiten, dass Gewicht in § 1 AGG aufgenommen wird, und auf den fehlenden Schutz vor Gewichtsdiskriminierung hinweisen.

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, darunter die Frage, wie sie eine diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung dicker Menschen sicherstellen wollen.

Leider zeigen die Antworten einiger Parteien auf, wie wenig sie für das Thema sensibilisiert sind. Sie sprechen sich zwar gegen Diskriminierung aus, sehen den dicken Körper aber als Eigenverschulden und Zeichen mangelnder Ernährungsbildung. Dick und gesund sind für sie eine unvereinbare Kombination und die Herstellung des dünnen Körpers die gesundheitliche Maßnahme mit oberster Priorität. Aufklärung ist und bleibt ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.

Ab in den Pool mit SUIT YOUR BODY

SUIT YOUR BODY – Teaser from Frauen und Fiktion

Wer das Hörspiel SUIT YOUR BODY verpasst hat, kann jetzt in die Theater-Installation abtauchen. Also Gummiente einpacken und auf zum TD Berlin (Berlin)! Bis zum 22.08. gibt es täglich drei Zeitkorridore, um die Installation zu durchschwimmen. Für das Stück hat Frauen und Fiktion im letzten Jahr unsere Vorsitzende, Natalie Rosenke, interviewt und Teile des Gesprächs in die Installation einfließen lassen. Nachfolgend finden Sie eine kurze Beschreibung dessen, was Sie erwartet von Frauen und Fiktion (FuF):

„In SUIT YOUR BODY hinterfragen Frauen und Fiktion (FuF) gesellschaftliche Schönheitsnormen. Auf Basis eines Interviews mit Natalie Rosenke, einer Expertin für das Thema Gewichtsdiskriminierung, kreieren sie einen Raum, in dem alle Körper erwünscht sind. Ein Frauen*chor leitet uns vorbei an Echokammern des Körperhasses in den Resonanzraum des eigenen Körpers. Die Stimmen bilden einen Gemeinschaftskörper, der atmet, spricht und sich geräuschvoll äußert. Der Fragen stellt, Antworten sucht und von ungewöhnlichen Perspektiven erzählt, die selbstverständlich sein könnten.

Ein befreiter Chorkörper, der miteinander klingt, aus vollem Halse singt und sich Worte wie “dick” zurückerobert. Ein unfassbar schöner Kollektivkörper, der am Ende mit seinem Publikum verschmelzen will. Hier wird der Wettstreit der Körper aufgehoben und ein neuer Blick geübt. Im interessierten und wohlwollenden Zuhören entdecken wir vieles, was wir oft schmerzlich vermissen und finden eine Schönheit, die uns von der Last des Mangels befreit. Mit einer Ode an die Vielfalt im Ohr schweben wir schließlich mit Leichtigkeit auseinander.

Mit: Natalie Rosenke (Interview); Daniela Acosta, Anna Beckh, Azemine Qorraj, Lea Stein, Kathrin Vogt, Frieda Völk, Maria Weiße, Maria Ilona Zwißler (Chor, Studentinnen der IPU) / Konzept: Frauen und Fiktion (Anja Kerschkewicz, Eva Kessler, Felina Levits, Paula Reissig) / Textfassung, Dramaturgie: Anja Kerschkewicz , Eva Kessler, Paula Reissig, Alisa Tretau / Raum: Klaas Hübner, Anja Kerschkewicz , Felina Levits , Paula Reissig / Chorleitung (Koordination, Textarbeit): Eva Kessler / Chorleitung (Stimmbildung, Einstudierung): Eva Späth / Musikalische Leitung, Sounddesign: Panagiotis Iliopoulos / Interviewleitung: Anja Kerschkewicz, Alisa Tretau / Tonschnitt: Florian Hohnhorst, Panagiotis Iliopoulos, Paula Reissig / Toneinrichtung Raum: Florian Hohnhorst, Marcus Thomas Studioaufnahmen: Martin Lutz, Marcus Thomas / Technik, Video: Paula Reissig, Lichtdesign: Jones Seitz – Gefährliche Arbeit / Mitarbeit Licht: Anja Kerschkewicz / Produktionsleitung, Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Florian Hohnhorst / Grafik: Kevin VisdeloupGefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung (BPKB)In Kooperation mit der International Psychoanalytic University Berlin (IPU)

Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen

Das ist das Ziel der digitalen Podiumsdiskussion am 18. August, bei der auch das Publikum den 5 Kandidat:innen für den Bundestag Fragen stellen kann. Wie wäre es mit einer Frage zum Thema Gewichtsdiskriminierung? Wir laden Euch herzlich ein dabei zu sein. Die Anmeldung findet Ihr hier.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Wahlkompass Antidiskriminierung statt und wurde durch den Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd) organisiert, der zusammen mit der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung Träger des Projekts ist.

Portrait Dr. Jens Brandenburg © Tobias Koch
Portrait Gökay Akbulut © Andi Weiland
Portrait Ye-One Rhie © Maximilian König
Portrait Paul Lehrieder © DBT / Inga Haar

Diskriminierungserfahrungen teilen. Politisch etwas bewegen.

Zahlen und Zitate sind die wichtigsten Argumente in unserer Arbeit, wenn es darum geht, politisch für das Thema Gewichtsdiskriminierung zu streiten. Sie machen Gewichtsdiskriminierung sichtbar. Sie machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Wenn Sie in Sachsen leben, können Sie etwas dazu beitragen, dass uns diese Fakten zur Verfügung stehen, denn gerade findet eine Befragung zum Thema Diskriminierung in Sachsen statt.

Wer Diskriminierung anhand des äußeren Erscheinungsbildes erfahren hat, kann anschließend angeben, um was es dabei konkret ging. Zur Auswahl steht dann auch Körpergewicht bzw. Körperform. Über den späteren Studienbericht können Sie so einen wichtigen Beitrag zu unserer politischen Arbeit leisten. Sie geben uns damit die Instrumente in die Hand, um für von Gewichtsdiskriminierung Betroffene erfolgreich zu streiten.

Ein Landesantidiskriminierungsgesetz für Baden-Württemberg – eins mit Gewicht

In diesem Jahr werden in sechs Bundesländern die Karten neu gemischt. Darin könnte auch eine Chance für das Thema Gewichtsdiskriminierung liegen. Berlin hat es vorgemacht: Auf Landesebene wurde hier 2020 ein Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) verabschiedet. In Baden-Württemberg läuft aktuell ein Online-Aufruf diesem Beispiel zu folgen. Über 60 Organisationen und Initiativen aus Baden-Württemberg sind als Erstunterzeichnende dabei – darunter auch die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Sie fordern die neue Landesregierung auf, eine LADG für Baden-Württemberg zu erarbeiten.

„Über die sechs im AGG genannten Diskriminierungskategorien hinaus geben von Diskriminierung Betroffene primär an, dass sie anhand äußerlicher Merkmale Diskriminierung erfahren. Gewicht wird dabei am häufigsten genannt“, so unsere Vorsitzende, Natalie Rosenke in Ihrem Statement zum Aufruf. „Ein Landesantidiskriminierungsgesetz könnte auch diese Schutzlücke schließen, indem es Gewicht als eigene Diskriminierungskategorie auflistet.“

Bitte unterstützen Sie dieses Vorhaben, indem Sie den Aufruf ebenfalls unterzeichen: www.aufruf-ladg.de

SUIT YOUR BODY – Gewichtsdiskriminierung als Hörspiel zu Wasser gelassen

Im Herbst letzten Jahres hat das Team von Frauen und Fiktion unsere Vorsitzende, Natalie Rosenke, interviewt. Auf Basis des 4-stündige Sofagesprächs ist ein Hörspiel-Feature entstanden. Aufgrund der aktuellen Situation feiert das Stück jetzt erstmal Online-Premiere: Diesen Samstag (27. Februar) in einer Hörspielfassung über die Website des TD Berlin.

Das Stück wird an insgesamt 3 Abenden zu hören sein. Die Tickets gibt’s bei www.td.berlin ab 5,50 EUR. Am Abend der Premiere ist unsere Vorsitzende im anschließenden Gespräch dabei und freut sich auf Ihre Fragen. Weitere Informationen finden Sie im nachfolgenden Text von Frauen und Fiktion.

SUIT YOUR BODY
von Frauen und Fiktion
Online-Premiere der Hörspielfassung am 27. Februar 2021, 20:00 Uhr
Weitere Termine: 28. Februar & 7. März je 20:00 Uhr / 8. März ganztägig on demand beim TD Berlin.

In SUIT YOUR BODY hinterfragen Frauen und Fiktion gesellschaftliche Schönheitsnormen. Auf Basis eines Interviews mit Natalie Rosenke, einer Expertin für das Thema Gewichtsdiskriminierung, kreieren sie einen Raum, in dem alle Körper erwünscht sind. Ein Frauen*chor leitet uns vorbei an Echokammern des Körperhasses in den Resonanzraum des eigenen Körpers. Die Stimmen bilden einen Gemeinschaftskörper, der atmet, spricht und sich geräuschvoll äußert. Der Fragen stellt, Antworten sucht und von ungewöhnlichen Perspektiven erzählt, die selbstverständlich sein könnten. Ein befreiter Chorkörper, der miteinander klingt, aus vollem Halse singt und sich Worte wie “dick” zurückerobert. Ein unfassbar schöner Kollektivkörper, der am Ende mit seinem Publikum verschmelzen will. Hier wird der Wettstreit der Körper aufgehoben und ein neuer Blick geübt. Im interessierten und wohlwollenden Zuhören entdecken wir vieles, was wir oft schmerzlich vermissen und finden eine Schönheit, die uns von der Last des Mangels befreit.

Mit Natalie Rosenke (Interview) / Projektchor der IPU: Daniela Acosta / Anna Beckh / Azemine Qorraj / Lea Stein / Kathrin Vogt / Frieda Völk / Maria Weiße / Maria Ilona Zwißler Konzept Frauen und Fiktion (Anja Kerschkewicz / Eva Kessler / Felina Levits / Paula Reissig) Textfassung / Dramaturgie Anja Kerschkewicz / Eva Kessler / Paula Reissig / Alisa Tretau Raum Klaas Hübner / Anja Kerschkewicz / Felina Levits / Paula Reissig Chorleitung (Koordination, Textarbeit) Eva Kessler Chorleitung (Stimmbildung, Einstudierung) Eva Späth Musikalische Leitung / Sounddesign Panagiotis Iliopoulos Interviewleitung Anja Kerschkewicz / Alisa Tretau Tonschnitt Florian Hohnhorst / Panagiotis Iliopoulos / Paula Reissig Toneinrichtung Raum Florian Hohnhorst / Marcus Thomas Studioaufnahmen Martin Lutz / Marcus Thomas Video Paula Reissig Technik / Lichtdesign Jones Seitz – Gefährliche Arbeit Mitarbeit Licht Anja Kerschkewicz Produktionsleitung / Presse und Öffentlichkeitsarbeit Florian Hohnhorst Grafik Kevin Visdeloup

Gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung (BPKB) In Kooperation mit der International Psychoanalytic University Berlin (IPU)

Publikumsgespräch mit Natalie Rosenke im Anschluss an die Premiere am 27. Februar

Digitales Foyer mit Frauen und Fiktion im Anschluss an die Vorstellungen am 28. Februar und 7. März

TD Berlin / Klosterstr. 44 / 10179 Berlin / www.td.berlin Online-Kartenpreise ab € 5,50- / Solipreis I € 9,- / Solipreis II € 15,- Tickets bitte im VVK bei RESERVIX erwerben!

Update zu unserer Petition an den Bundestag

Wir fordern einen rechtlichen Schutz vor Gewichtsdiskriminierung und fiebern dem Moment entgegen, wo unsere Petition veröffentlicht wird und unterzeichnet werden kann. Sie muss hierfür mehrere Schritte durchlaufen, daher können wir aktuell nicht genau sagen, wann das sein wird. Wir haben deshalb einen Newsletter „Petition“ eingerichtet, für den Sie sich hier anmelden können. Über diesen Newsletter werden wir ausschließlich Informationen zu unserer Petition versenden.

Petition beim Bundestag eingereicht: Wir fordern den Schutz vor Gewichtsdiskriminierung!

Ein Cuxhavener Hotel schließt dicke Menschen aus. Die Hotelbetreiberin fühlt sich durch den Anblick gestört: „Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss“, sagt sie gegenüber Radio Bremen. Was in der Presse als einzelne Schlagzeile erscheint, ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Benachteiligungen von dicken Menschen sind in Deutschland an der Tagesordnung, sei es auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche oder im Gesundheitswesen. Wir haben daher eine Petition beim Petitionsauss des Bundesstages eingereicht.

Wir fordern einen wirksamen, gesetzlich verankerten Schutz vor Gewichtsdiskriminierung in privatrechtlichen Verhältnissen: die Erweiterung von § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) um den Diskriminierungstatbestand „Gewicht“.

Sobald die Petition unterschrieben werden kann, werden wir den Link auf unserer Website veröffentlichen.

Pressemitteilung
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung fordert Aufnahme eines Diskriminierungstatbestands „Gewicht“ ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Petition

Wortlaut der Petition
Schutz vor Gewichtsdiskriminierung gesetzlich verankern!
Benachteiligungen von dicken Menschen sind in Deutschland an der Tagesordnung, sei es auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche oder im Gesundheitswesen. Wir fordern daher einen wirksamen gesetzlich verankerten Schutz vor Gewichtsdiskriminierung in privatrechtlichen Verhältnissen: § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) muss um den Diskriminierungstatbestand „Gewicht“ erweitert werden!

Begründung
Diskriminierung anhand eines hohen Körpergewichts geschieht täglich, überall und sie betrifft immer mehr Menschen. Zu einem hohen Anteil findet sie im Bereich der privaten Wirtschaftsbeziehungen statt, also im Berufsleben, in den Bereichen Mobilität und Freizeit sowie Gesundheit und Pflege. 78 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung haben Vorurteile gegenüber dicken Menschen oder widersprechen diesen nicht, zeigt die Studie „Stigmatisierende Einstellungen zur Adipositas in der deutschen Bevölkerung“. In einer repräsentativen Umfrage von forsa im Auftrag der DAK gaben 15 Prozent an, dass sie bewusst den Kontakt zu dicken Menschen meiden. Angesicht dieser Zahlen sieht die Bevölkerungsmehrheit Handlungsbedarf. In einer Studie der Universität Leipzig sprachen sich beispielsweise 60 Prozent der Befragten für einen Schutz vor Gewichtsdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt aus.

Bislang gibt es für dicke Menschen keine Möglichkeit, sich gerichtlich zur Wehr zu setzen. Sebastian Bickerich, Pressesprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, gegenüber der Bild: „Nur wenn Übergewicht die Schwelle einer Behinderung erreicht, besteht Diskriminierungsschutz. Deshalb dürfte es für Betroffene schwer sein, unter Verweis auf das AGG gegen [diskriminierende] Bestimmungen […] gerichtlich vorzugehen.“ Seine Empfehlung: „Der Gesetzgeber sollte prüfen, ob der in Deutschland recht eng gefasste Katalog der geschützten Merkmale ausgeweitet beziehungsweise präzisiert werden sollte.“

Auch in den Handlungsempfehlungen der Repräsentativbefragung „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ (2017) heißt es: „Die vielen Diskriminierungserfahrungen, die Personen anhand äußerlicher Merkmale, insbesondere anhand des Gewichts, erlebt haben, belegen den dringenden Handlungsbedarf, für diese Personen eine Möglichkeit zu schaffen, sich gegen ihre Diskriminierungserfahrungen zur Wehr zu setzen“.

Wir fordern daher: „Gewicht“ in § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) aufnehmen und dicke Menschen effektiv vor Gewichtsdiskriminierung schützen!