Unterstütze mit uns „Dick im Geschäft“

Gewichtsvielfalt ist selten ein Thema, wenn von Diversity gesprochen wird, denn bisher ist Gewicht keine in der Charta der Vielfalt genannte Diversity Dimension. Mit einem Klick könnt Ihr dazu beitragen, dass sich das ändert!

Der pme Familienservice​ hat es mit seiner Kampagne „Dick im Geschäft“ in die Endausscheidung für die schönste Aktion 2019 der Charta der Vielfalt geschafft. Die Kampagne richtet sich gezielt an dicke Fachkräfte und fordert sie zur Bewerbung auf. „Das ist eine Win-Win-Situation für beide – für uns als Arbeitgeber, weil wir den Teil der Work Force ermutigen, bei uns zu arbeiten, der woanders schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und es ist schön, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem man nicht wegen seines Körpergewichts gemobbt wird“.

Die Kampagne besetzt den dicken Körper positiv und bringt Gewichtsdiskriminierung zur Sprache, damit hat sie ganz klar unsere Stimme. Das siehst Du genauso? Dann auf zur Abstimmung – jede Stimme zählt!

Die Abstimmung läuft noch bis zum 12. Juli.

Zusatzgebühren für die Bestattung hochgewichtiger Menschen

„Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen.“ Behutsamkeit, in diesem von Jean Cocteau gewähltem Wort stecken Achtung und Würde gleichermaßen. Dem Toten gegenüber ist sie eine letzte stille Anerkennung seiner Menschlichkeit, den Hinterbliebenen ein Trost. Sie muss daher Prämisse sein für alle, die diesen letzten Weg gestalten. Dazu passen weder Rabattschlachten noch Zusatzgebühren, wie sie für die Beisetzung hochgewichtiger Menschen in mehreren Städten in Süddeutschland eingeführt wurden.
Der Mensch ist Teil seiner Gemeinde, unabhängig vom Körpergewicht. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt fordert, muss sich hierzu klar bekennen – das schließt den Tod mit ein. Ja, für die Bestattung werden zusätzliche Sargträger und ein größeres Erdloch benötigt. Eine Form der Finanzierung, die den hochgewichtigen Menschen nicht aus unserer Gemeinschaft löst und auf ein abzuwiegendes Stück Fleisch reduziert, müssen wir aber genauso im Blick haben.

Wie erleben dicke Jugendliche den Einstieg in die Arbeitswelt? Interviewpartner*innen gesucht

Gewichtsdiskriminierung ist bisher ein wenig beforschtes Thema in Deutschland. Wir freuen uns daher sehr, eine weitere Anfrage aus dem Bereich Wissenschaft & Forschung weiterzugeben. Dies Mal werden dicke Jugendliche und junge Erwachsene gesucht, die schildern, wie sie ihren Berufseinstieg erleben. Bei Interesse stellen wir gern den Kontakt her.
„Gewichtsdiskriminierung bei der Ausbildungssuche ist das Thema meiner Bachelor-Arbeit, die ich zurzeit im Rahmen meines dualen Studiums schreibe. Die Fragestellung ist, ob und inwiefern dicke Jugendliche und junge Erwachsene bei der Bewerbung um betriebliche Ausbildungsstellen aufgrund ihres Körpergewichts benachteiligt werden. Daher suche ich Personen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren mit hohem Körpergewicht, die sich in der Ausbildungssuche befinden oder noch bis vor kurzem befunden haben, um mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Das Gespräch wird in Interviewform durchgeführt, entweder persönlich oder telefonisch und dauert ungefähr eine bis anderthalb Stunden. Alle Gesprächsinhalte werden komplett anonymisiert, sodass kein Rückschluss auf die Person möglich ist.
Wenn Sie sich persönlich oder jemanden in Ihrem privaten Umfeld angesprochen fühlen, freue ich mich über eine Rückmeldung.

Zu meiner Person: Ich studiere im dritten Jahr an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit im Studiengang „Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement“ (neu: „Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung“), bin vierzig Jahre alt und ein Mensch mit hohem Körpergewicht. Da ich selbst und auch Personen in meinem Umfeld entsprechende Erfahrungen mit Gewichtsdiskriminierung gemacht haben, habe ich mich entschieden, dies zum Thema meiner Abschlussarbeit zu machen.“

Shopping wird komfortabler: Der Handel entdeckt breite Gänge als Wettbewerbsvorteil

„Die Zukunft des Handels ist das Einkaufserlebnis“, das war klarer Konsens der Anwesenden Vertreter*innen des Handels in der gestrigen Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte. Gute Nachrichten für dicke Menschen: auf breite Gänge wird hierbei in besonderem Maße Wert gelegt. „Unsere Märkte sind heute insgesamt zwei Meter breiter bei gleicher Anzahl von Regalen“, so Jenny Stemmler von der Lidl Dienstleistung GmbH. Doch die räumliche Situation ist nur ein Faktor, der die Bummellaune beflügelt, ein weiterer, besonders entscheidender, ist das Sortiment.
Vor allem im Bereich Bekleidung hat der Handel hier die Bedürfnisse dicker Menschen bisher verschlafen. „Ein Drittel der Damenoberbekleidung wird inzwischen online erworben.“ Diese von Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg eingebrachte Zahl verwundert wenig. In den meisten Bekleidungsgeschäften ist die Auswahl ab Konfektionsgröße 50 nicht nennenswert. Der Druck durch den steigenden Anteil des Online-Handels ist damit ein Stück weit hausgemacht. Für eine Trendwende wird der ortsansässige Handel den dicken Menschen jenseits von Diät-Produkten und Shaping-Unterwäsche als Konsumenten entdecken müssen.
Weiter Informationen finden Sie in demnächst im Protokoll zur 11. öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Ordnungsamt und Gleichstellung – Top 4.2 Einzelhandel in Mitte vor großen Herausforderungen.

Workshop: Gewichtsdiskriminierung im Kindesalter

Photo © ruslanshug / fotolia.de

Gewichtsdiskriminierung ist die häufigste Form der Diskriminierung an Schulen, dennoch wird sie kaum adressiert. In diesem Workshop wollen wir gemeinsam einen Blick darauf werfen, wie stark das Dicksein das Leben und Erleben von dicken Kindern bestimmt.
Die Sensibilisierung für Gewichtsdiskriminierung ist dabei nur der erste Schritt. Sie sollen in die Lage versetzt werden, präventiv und interventiv arbeiten zu können, denn in einer Gesellschaft, die den dicken Körper ablehnt, brauchen dicke Kinder Verbündete.
Warum dicke Kinder lieber „normal“ sein möchten statt Astronaut*in
Alice Salomon Hochschule (ASH)
07. Oktober, 11:00 bis 18:00 Uhr
Raum 122
Referentin: Natalie Rosenke
Der Workshop richtet sich an Personen, die ehrenamtlich oder beruflich mit dicken Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die von der ASH erhobene Teilnahmegebühr beträgt 15,00 EUR. Interessierte wenden sich bitte an Frau Jana Meincke.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren: eine Chance für dicke Menschen

DW-Kachel-FB-25„Haben Sie eine Essstörung oder schmeckt es Ihnen einfach nur?“ Mit welchen Fragen im Vorstellungsgespräch die Qualifikation geprüft wird, ist bisweilen erstaunlich – und diskriminierend. Vor allem dicke Menschen sehen sich hier häufig Vorurteilen gegenüber. Aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes gelten sie als leistungsschwach und nicht repräsentabel, da weder dick und gesund noch dick und schön in unserer Gesellschaft eine denkbare Kombinationen darstellen.
Das Photo im Lebenslauf senkt die Chancen dicker Bewerber*innen signifikant. Das zeigt eine Studie der Universität Tübingen, für die 127 Personalentscheider*innen befragt wurden. Dicke Frauen schnitten hier besonders schlecht ab: 98 Prozent der Befragten trauten ihnen keine prestigeträchtigen Berufe wie Ärztin oder Architektin zu. Von anonymisierten Bewerbungsverfahren würden dicke Menschen damit insofern profitieren, dass sie diesen Vorurteilen im Bewerbungsgespräch zumindest Paroli bieten könnten, statt bereits im Vorfeld stillschweigend aussortiert zu werden.
SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben sich im Rahmen des von uns initiierten Projekts „Die Wahlprüfsteine“ klar für anonymisierte Bewerbungsverfahren ausgesprochen. Sie sehen dies als eine notwendige unterstützende Maßnahme, um die „verfestigten Strukturen“ aufzubrechen. Die CDU/CSU steht dieser zusätzlichen Form der Prävention von Diskriminierung ablehnend gegenüber. Sie setzt auf die bestehenden Maßnahmen, „die ein bewusstes Umdenken bei den Personalverantwortlichen“ fördern sollen. Die FDP sieht zwar das Potential der Maßnahme, will aber, dass es eine „freiwillige Entscheidung der Unternehmen bleibt, sich für ein solches Bewerbungsverfahren zu entscheiden.“ Die ausführlichen Antworten der Parteien finden Sie auf der Website des Projekts „Die Wahlprüfsteine“.
Universität Tübingen
Übergewicht bringt berufliche Nachteile
SPON
Miese Vorstellungsgespräche: „Haben Sie eine Essstörung, oder schmeckt es Ihnen einfach nur?“

Wieviel politischer Protest steckt im Genuss eines Donuts?

mission-more
Immer mehr Anbieter „gesunder Snacks“ drängen auf den Markt. Als gesund gelten dabei vor allem Nüsse, Saaten und Trockenfrüchte. Mission More gehört dazu und hat gerade die Kampagne „Bevor du bist, was du isst.“ gestartet. Auf den Plakaten werden hierbei Genussmittel wie Donuts und Schokolade als die schlechte Wahl im Vergleich zum eigenen Produkt dargestellt. Warum eigentlich? Den zarten Schmelz einer Schokolade zu haben, ist eine sehr sinnliche Vorstellung. Die Antwort: Dafür steht die Schokolade hier nicht.
Sie dient als Symbol für eine kalorienreiche und „ungesunde“ Ernährung, die in unserer Gesellschaft mit dem dicken Körper assoziiert ist. Er ist die eigentliche Drohkulisse, die den Kaufanreiz für das „gesunde“ Produkt schaffen soll. Leider wieder ein Beispiel dafür, wie im Kontext von „gesunder Ernährung“ Gewichtsdiskriminierung entsteht.

„Iss mal weniger.“ ist einfach anmaßend

Die FAZ hat unser Beiratsmitglied, Prof. Dr. Lotte Rose, interviewt. Als Erziehungswissenschaftlerin richtet sich ihr Blick vor allem darauf, wie unsere Gesellschaft mit dicken Menschen umgeht und welche Auswirkungen das hat. Ihr Forschungsziel deckt sich dabei mit dem der Fat Studies in den USA: „Erkenntnisse [zu] produzieren, die helfen, die Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe perspektivisch zu beheben.“ Dieser Ansatz ist im deutschen Forschungsfeld deutlich unterrepräsentiert. Um so wichtiger ist es, die Aktiven zu vernetzen und ihnen eine Stimme zu geben. Der von ihr zusammen mit Dr. Friedrich Schorb herausgegebene und in diesem Jahr erschienene Sammelband „Fat Studies in Deutschland“ war in diesem Zusammenhang ein Meilenstein, an dem auch die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung mitwirken durfte.

Foodwatch: Essensretter nur für dünne Menschen?

weight-watch„Kein Junkfood-Marketing mit Comicfiguren!“, mit diesem Aufruf ermunterte Foodwatch im Dezember seine Mitglieder dazu, Studio 100 anzuschreiben. Ziel der Aktion: Figuren wie Biene Maja und Wickie sollen zukünftig nur noch zur Bewerbung von „gesunden Lebensmitteln“ eingesetzt werden, „die Eltern guten Gewissens kaufen können“, so Foodwatch.
Eine sehr unglücklich gewählte Formulierung, denn die Aufteilung von Lebensmitteln in Gut und Böse ist fruchtbarer Boden für Essstörungen und damit, was Förderung und Erhalt der Gesundheit anbelangt, kontraproduktiv. Zur Illustration der Notwendigkeit der Aktion stellte der Verein den dicken Körpers als sich epidemisch ausbreitende Krankheit dar und hat damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kombination dick und gesund weiterhin eine gesellschaftlich undenkbare bleibt.
Ja, wir brauchen Organisationen, die sich food watch zur Aufgabe machen, um die Rechte der Verbraucher*innen zu stärken, eine weitere Organisation, die sich weight watch zur Aufgabe macht, brauchen wir nicht!

Prävention von Gewichtsdiskriminierung im Hospiz

Das Hospiz St. Christophorus in Mönchengladbach hat zum Jahresbeginn 2016 den Aspekt der Gewichtsdiskriminierung aufgegriffen.
Im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für das gesamte Hospizteam war das Thema Gewichtsdiskriminierung von Sabine G. Fischer, der Leiterin des Fachbereichs Gesundheitswesen der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, mehrmals angesprochen worden. Schließlich war es für die Hospizleitung, Elvira Biallas, und die Vorstandsvorsitzende, Dr. Uta Stürtzbecher-Gericke, folgerichtig, den Schutz für Menschen aller Körperformen mit in das Pflegeleitbild aufzunehmen:
„Wir setzen uns aktiv dafür ein und garantieren, dass jeder Mensch – unabhängig von […] seiner Bildung oder gar seiner Körperform – die Pflege zuteil wird, die er benötigt. Wir verwehren uns gegen jegliche Formen von Diskriminierung.“