Gewichtsdiskriminierung wird olympisch

Die Sportler*innen der Olympischen Spiele stellen die Grenzen des körperlich Machbaren immer wieder neu in Frage. Sie treten an, um ihr Können zu zeigen und an ihrer Leistung gemessen zu werden, doch die Reaktionen auf die mexikanische Gymnastin Alexa Moreno (22) und den äthiopischen Schwimmer Robel Kiros Habte (24) zeigen, wie sehr beides in den Hintergrund tritt, wenn der Körper den Vorstellungen der Zuschauer*innen nicht entspricht.
Beide Olympioniken sahen sich in den sozialen Netzen einer Reihe von Kommentaren gegenüber, in denen sie als zu dick für die Sportart bezeichnet und beleidigt wurden.
Zum Artikel von BuzzFeedNews
This Gymnast Was Body-Shamed On Social Media After Her Olympic Performance
Zum Artikel von Upworthy
The internet is rallying around this Ethiopian swimmer who was fat-shamed

Sport und Spott kommen für dicke Menschen meist im Set

An dicke Menschen wird zwar immer wieder die Forderung herangetragen, dass sie Sport treiben sollen, wenn sie es tun, sehen sie sich aber nicht selten besonders deutlicher Gewichtsdiskriminierung gegenüber.
Ein extremes Beispiel hierfür ist der Übergriff von Dani Mathers. Sie machte im Fitnessstudio heimlich ein Photo von einer dicken Frau beim Duschen und stellte es mit den Worten „Wenn ich das nicht mehr aus dem Kopf kriege, schafft Ihr das auch nicht.“ bei Snapchat ein.
Zum Artikel von Wear Your Voice:
It’s Time to Face Reality: Fatphobia is Violence and Dani Mathers is a Sexual Predator

Schlank ist nicht der Schlüssel zum Glück

Schlank zu werden wird in unserer Gesellschaft als Lösung für so ziemlich jedes Problem betrachtet. Unglücklich verliebt? Bist Du erstmal schlank, kommt die Liebe Deines Lebens von selbst vorbei. Kein Glück mit der Bewerbung? Dein schlankes Ich wird nicht nur einen Job bekommen, es wird Karriere machen.
So wird es sein, so muss es sein, doch es kann so anders sein. Nachdem Dana Falsetti’s 45kg auf dem Weg zu ihrem schlanken Ich verloren hatte, stellte sie fest, dass sie keinerlei Veränderung spürte. Jahrleang hatte sie angenommen, ihr Gewicht sei das Problem, doch ab diesem Zeitpunkt stand für sie fest: Es war ihre innere Haltung. So Vieles hatte sie nicht getan, weil sie der festen Überzeugung gewesen war, mit ihrem Gewicht wäre das nicht möglich. Heute ist sie Yoga-Lehrerin und bestärkt andere in ihrem Glauben an sich selbst.
YouTube Video
I Am Worthy with Dana Falsetti

Ein Sport-BH für alle Fälle? Eher nicht.

Es gibt Fragen, die dicken Menschen nie gestellt werden. „Welchen Sport treiben Sie am liebsten?“ ist so eine. Immer wieder wird davon ausgegangen, dass Menschen mit hohem Gewicht generell keinen Sport machen. Diesem Vorurteil ist schwer beizukommen, da die meisten Anbieter aus dem Sport- und Fitnessbereich ausschließlich mit dünnen Models werben und teilweise mit Slogans wie „Ran an den Winterspeck!“ sogar eine Art dickes Feindbild aufbauen.
Entsprechend klein ist die Auswahl an echter Funktionskleidung selbst bei auf große Größen spezialisierten Anbietern. Immer noch dominieren hier einfache Baumwolle und Elasthan, obwohl feuchtigkeitsabführende Fasern, bekannt unter Markennamen wie Coolmax®, höchst wünschenswert wären. Dazu kommen oft vollkommen ungeeignete Schnitte vor allem im Bereich der Sport-BHs: Einschneidende Träger ohne Entlastungseffekt, kegelförmige Körbchen und schmale Seitenteile, die Falten zaubern, wo eigentlich keine waren, sind hier mehr die Regel als die Ausnahme. „Ein Sport-BH für alle Fälle? Eher nicht.“ weiterlesen

Fitness vs Fatness? – der falsche Gegensatz

Als die französische Tennisspielerin Marion Bartoli 2013 in Wimbledon den Titel holte, stand sie leider weniger wegen ihrer sportlichen Leistung im Fokus: Statt zu honorieren, dass sie z. B. zu den wenigen Spielerinnen gehört, die das Turnier ohne Satzverlust gewinnen konnten, wurde ihr Aussehen durch die Medien und anonym im Internet kommentiert.
Die US-Tennisikone John McEnroe soll in seinem Live-Kommentar gesagt haben, dass Bartoli „nicht so aussieht, wie man sich eine Athletin vorstellt“. Körperdiskriminierende und frauenfeindliche Beschimpfungen wie „This Bartoli chick is a fat slob“ bis zu „Fucking fat ugly fuck“ wurden bei Twitter gepostet. Hier zeigte sich deutlich das gängige Vorurteil, dass Sportler und Sportlerinnen immer dünn sind – was auch immer „dünn“ konkret bedeuten mag. Es ist Konsens: Ein dicker Körper und Sportlichkeit schließen sich aus. Gleichzeitig wird nur ein dünner Körper als schön betrachtet.
dieStandard.at: „Zu hässlich für Wimbledon?“
The Guardian: „John Inverdale apologises for ‚ham-fisted‘ Marion Bartoli comment“
Doch Marion Bartoli wusste dieser Gewichtsdiskriminierung etwas entgegenzusetzen: „Habe ich davon geträumt einen Modelvertrag zu bekommen? Nein, tut mir Leid. Habe ich davon geträumt Wimbledon zu gewinnen? Ja, absolut!“
Erfreulicherweise ist in den letzten Jahren die Zahl der öffentlich präsenten dicken Menschen und Aktionen, die dieses Fitness-Vorurteil widerlegen, deutlich angestiegen. Sie zeigen, dass Sportlichkeit und Freude an Bewegung nicht im Widerspruch zu einem dicken Körper stehen. „Fitness vs Fatness? – der falsche Gegensatz“ weiterlesen

Süddeutsche Zeitung: Keine Sozialhilfe mehr für dicke "Sportmuffel"

„Übergewichtige“ Sozialhilfeempfänger sollen in Großbritannien zu Sportkursen verdonnert werden, unter der Drohung, ihnen bei Nichtbefolgen die Stütze zu kürzen. Überwacht werden soll das Ganze mit Hilfe einer Chipkarte. Was wie eine schlechte Collage aus Sozialdarwinismus, Healthismus und Überwachungsstaat klingt, ist von den Stadträten der Gemeinde Westminster leider Ernst gemeint.