Zusatzgebühren für die Bestattung hochgewichtiger Menschen

„Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen.“ Behutsamkeit, in diesem von Jean Cocteau gewähltem Wort stecken Achtung und Würde gleichermaßen. Dem Toten gegenüber ist sie eine letzte stille Anerkennung seiner Menschlichkeit, den Hinterbliebenen ein Trost. Sie muss daher Prämisse sein für alle, die diesen letzten Weg gestalten. Dazu passen weder Rabattschlachten noch Zusatzgebühren, wie sie für die Beisetzung hochgewichtiger Menschen in mehreren Städten in Süddeutschland eingeführt wurden.
Der Mensch ist Teil seiner Gemeinde, unabhängig vom Körpergewicht. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt fordert, muss sich hierzu klar bekennen – das schließt den Tod mit ein. Ja, für die Bestattung werden zusätzliche Sargträger und ein größeres Erdloch benötigt. Eine Form der Finanzierung, die den hochgewichtigen Menschen nicht aus unserer Gemeinschaft löst und auf ein abzuwiegendes Stück Fleisch reduziert, müssen wir aber genauso im Blick haben.

Shopping wird komfortabler: Der Handel entdeckt breite Gänge als Wettbewerbsvorteil

„Die Zukunft des Handels ist das Einkaufserlebnis“, das war klarer Konsens der Anwesenden Vertreter*innen des Handels in der gestrigen Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte. Gute Nachrichten für dicke Menschen: auf breite Gänge wird hierbei in besonderem Maße Wert gelegt. „Unsere Märkte sind heute insgesamt zwei Meter breiter bei gleicher Anzahl von Regalen“, so Jenny Stemmler von der Lidl Dienstleistung GmbH. Doch die räumliche Situation ist nur ein Faktor, der die Bummellaune beflügelt, ein weiterer, besonders entscheidender, ist das Sortiment.
Vor allem im Bereich Bekleidung hat der Handel hier die Bedürfnisse dicker Menschen bisher verschlafen. „Ein Drittel der Damenoberbekleidung wird inzwischen online erworben.“ Diese von Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg eingebrachte Zahl verwundert wenig. In den meisten Bekleidungsgeschäften ist die Auswahl ab Konfektionsgröße 50 nicht nennenswert. Der Druck durch den steigenden Anteil des Online-Handels ist damit ein Stück weit hausgemacht. Für eine Trendwende wird der ortsansässige Handel den dicken Menschen jenseits von Diät-Produkten und Shaping-Unterwäsche als Konsumenten entdecken müssen.
Weiter Informationen finden Sie in demnächst im Protokoll zur 11. öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Ordnungsamt und Gleichstellung – Top 4.2 Einzelhandel in Mitte vor großen Herausforderungen.

Wieviel politischer Protest steckt im Genuss eines Donuts?

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Immer mehr Anbieter „gesunder Snacks“ drängen auf den Markt. Als gesund gelten dabei vor allem Nüsse, Saaten und Trockenfrüchte. Mission More gehört dazu und hat gerade die Kampagne „Bevor du bist, was du isst.“ gestartet. Auf den Plakaten werden hierbei Genussmittel wie Donuts und Schokolade als die schlechte Wahl im Vergleich zum eigenen Produkt dargestellt. Warum eigentlich? Den zarten Schmelz einer Schokolade zu haben, ist eine sehr sinnliche Vorstellung. Die Antwort: Dafür steht die Schokolade hier nicht.
Sie dient als Symbol für eine kalorienreiche und „ungesunde“ Ernährung, die in unserer Gesellschaft mit dem dicken Körper assoziiert ist. Er ist die eigentliche Drohkulisse, die den Kaufanreiz für das „gesunde“ Produkt schaffen soll. Leider wieder ein Beispiel dafür, wie im Kontext von „gesunder Ernährung“ Gewichtsdiskriminierung entsteht.