Wie stehen die GRÜNEN zu einem #AGGmitGewicht?

Foto © Kristian Schuller

Heute ist Tag 1 der 8. Internationalen Weight Stigma Conference. Schwerpunkt ist dieses Mal Recht und Politik. Wir haben hierzu im Vorfeld der Konferenz mit Claudia Roth gesprochen.

Über die sechs im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Diskriminierungskategorien hinaus geben die meisten von Diskriminierung Betroffenen an, dass sie anhand äußerlicher Merkmale Diskriminierung erfahren haben, 51 Prozent davon anhand ihres Körpergewichts. Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung fordert daher die Aufnahme von „Gewicht“ in § 1 AGG. Werden sich die GRÜNEN hierfür stark machen?

Die Grüne Bundestagsfraktion hat sich für diese Legislaturperiode das Ziel gesetzt, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz zu reformieren. In diesem Zusammenhang werden wir auch über die Aufnahme von weiteren Kriterien, zum Beispiel die Gewichtsdiskriminierung, diskutieren. Dabei ist es wichtig, dass wir in der Fraktion darüber sprechen und uns dazu Expertise einholen, wie Gewichtsdiskriminierung funktioniert und was ein gesetzliches Benachteiligungsverbot gegen diese Diskriminierungsform bewirken kann. Ein am Ende möglicherweise wirkungsloses Gesetz wird der berechtigten Forderung von Gewichtsdiskriminierten nach Schutz durch die Politik nicht gerecht.

Obwohl Gewichtsdiskriminierung stark verbreitet ist, fehlt vielfach noch ein Bewusstsein für diese Diskriminierungsform. Nationalen Aktionspläne und Maßnahmen zur Sensibilisierung sind gängige politische Instrumente, um den entgegenzuwirken. Gibt es bei den GRÜNEN bereits Gruppen oder Arbeitskreise, die auf dem Thema Gewichtsdiskriminierung dahingehend arbeiten oder bei denen Sie hier klar Anknüpfungspunkte sehen?

Bei uns in der Partei und in den Fraktionen sind es vor allem die Feminist*innen, die sich mit dem Thema Gewichtsdiskriminierung beschäftigen. Zum Beispiel die Landesarbeitsgemeinschaft Feminismus in Berlin ist da aktiv. Auch unsere Parteivorsitzende Ricarda Lang macht immer wieder auf Bodyshaming und darauf, wie gerade Frauen dadurch abgewertet werden, aufmerksam. Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sich politisch äußern und Raum einnehmen, sind Rechten und Antifeminist*innen ein Dorn im Auge. Sie nutzen jede Gelegenheit, um diese Frauen einzuschüchtern.

Was die politische Auseinandersetzung mit Gewichtsdiskriminierung angeht, müssen auch wir Grüne noch mehr Expertise sammeln. Deshalb freue ich mich besonders über die vielen Aktivisten und Expert*innen, die bei der Weight Stigma Conference zusammenkommen. Wir brauchen diesen Input aus der Zivilgesellschaft.

Die Internationale Weight Stigma Conference ist die erste größere internationale Fachkonferenz, die zum Thema Gewichtsstigma und Gewichtsdiskriminierung in Deutschland stattfindet. Was möchte Sie uns und der Tagung mit auf den Weg geben?

Ich finde es großartig, dass dem Thema Gewichtsdiskriminierung mehr Öffentlichkeit gegeben wird. Wir Grünen stehen für einen breiten Vielfaltsbegriff, der die Menschen dort abholt, wo sie stehen. Überall dort, wo Menschen diskriminiert und ihnen Rechte vorenthalten werden, müssen wir dagegenhalten. Ich freue mich, dass Aktivist*innen gegen Gewichtsdiskriminierung sich zu einem internationalen Kongress zusammenschließen und wünsche allen Teilnehmer*innen einen wundervollen Kongress!

Foto © Kristian Schuller

Online-Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung

Wir freuen uns sehr, dass wir vom Frauen- und Gleichstellungsbüro Marburg-Biedenkopf gebeten wurden, anlässlich des Internationalen Anti-Diät-Tages eine Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung zu geben. Die Veranstaltung war ursprünglich in Präsenz geplant. Durch den Wechsel des Formats können Interessierte gern noch kurzfristig dazustoßen

Dick ist kein Defizit. Dick ist ein Recht
Online-Einführung in das Thema Gewichtsdiskriminierung
06.05. in der Zeit von 16:00 bis 18:30 Uhr
Anmeldung über frauenbuero@marburg-biedenkopf.de

Politik

Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?

Vorurteile, denen sich dicke Menschen auf dem Arbeitsmarkt gegenübersehen. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben sie daher erheblich … „Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?“ weiterlesen

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, … „Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?“ weiterlesen

Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen

Das ist das Ziel der digitalen Podiumsdiskussion am 18. August, bei der auch das Publikum den 5 Kandidat:innen für den … „Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen“ weiterlesen

Bundestagswahl: Wer verbessert die Chancen dicker Menschen auf dem Arbeitsmarkt?

Vorurteile, denen sich dicke Menschen auf dem Arbeitsmarkt gegenübersehen. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben sie daher erheblich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Berufsleben als dünne Menschen. Sie verdienen sogar schlechter (Weight-Pay-Gap). Wir haben die Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl gefragt, was sie dagegen tun werden.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Gewicht ist keine durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützte Diskriminierungsdimension. Der Weg über eine der enthaltenen Diskriminierungskategorien wie Behinderung war mehrfach vor Gericht nicht erfolgreich, da hierfür verschiedene Bedingungen erfüllt sein müssen, die bei höherem Gewicht nicht zwangsweise gegeben sind. Die Klagen sind daher gescheitert. Trotzdem verweisen die Parteien vielfach auf dieses Gesetz. Nur eine Partei ist sich der Schutzlücke bewusst. Wir werden daher weiterhin dafür streiten, dass Gewicht in § 1 AGG aufgenommen wird, und auf den fehlenden Schutz vor Gewichtsdiskriminierung hinweisen.

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, darunter die Frage, wie sie eine diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung dicker Menschen sicherstellen wollen.

Leider zeigen die Antworten einiger Parteien auf, wie wenig sie für das Thema sensibilisiert sind. Sie sprechen sich zwar gegen Diskriminierung aus, sehen den dicken Körper aber als Eigenverschulden und Zeichen mangelnder Ernährungsbildung. Dick und gesund sind für sie eine unvereinbare Kombination und die Herstellung des dünnen Körpers die gesundheitliche Maßnahme mit oberster Priorität. Aufklärung ist und bleibt ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.

Antidiskriminierungspolitik zum Thema machen

Das ist das Ziel der digitalen Podiumsdiskussion am 18. August, bei der auch das Publikum den 5 Kandidat:innen für den Bundestag Fragen stellen kann. Wie wäre es mit einer Frage zum Thema Gewichtsdiskriminierung? Wir laden Euch herzlich ein dabei zu sein. Die Anmeldung findet Ihr hier.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Wahlkompass Antidiskriminierung statt und wurde durch den Antidiskriminierungsverbands Deutschland (advd) organisiert, der zusammen mit der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung Träger des Projekts ist.

Portrait Dr. Jens Brandenburg © Tobias Koch
Portrait Gökay Akbulut © Andi Weiland
Portrait Ye-One Rhie © Maximilian König
Portrait Paul Lehrieder © DBT / Inga Haar

Gesundheit

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, … „Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?“ weiterlesen

Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?

Zu diesem Thema hatten wir Anfang Mai mit unserem Beiratsmitglied Dr. Friedrich Schorb gesprochen. Jetzt wurde das Thema nochmals von … „Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?“ weiterlesen

Forschungsvorhaben “Körperakzeptanz & Gewicht“

Wir freuen uns immer wieder, wenn uns Forschungsanfragen erreichen, da die Ergebnisse unsere Arbeit für Euch überhaupt erst möglich machen. … „Forschungsvorhaben “Körperakzeptanz & Gewicht““ weiterlesen

Bundestagswahl: Was tun die Parteien für die Gesundheit dicker Menschen?

Es sind die letzten Tage vor der Bundestagswahl. Auch dies Mal haben wir den Parteien Fragen zum Thema Gewichtsdiskriminierung gestellt, darunter die Frage, wie sie eine diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung dicker Menschen sicherstellen wollen.

Leider zeigen die Antworten einiger Parteien auf, wie wenig sie für das Thema sensibilisiert sind. Sie sprechen sich zwar gegen Diskriminierung aus, sehen den dicken Körper aber als Eigenverschulden und Zeichen mangelnder Ernährungsbildung. Dick und gesund sind für sie eine unvereinbare Kombination und die Herstellung des dünnen Körpers die gesundheitliche Maßnahme mit oberster Priorität. Aufklärung ist und bleibt ein wichtiger Baustein unserer Arbeit.

Ist hohes Gewicht ein Risikofaktor innerhalb der Pandemie?

Zu diesem Thema hatten wir Anfang Mai mit unserem Beiratsmitglied Dr. Friedrich Schorb gesprochen. Jetzt wurde das Thema nochmals von der Süddeutschen Zeitung und Spiegel Online aufgegriffen. Dr. Schorb hat sich beide Artikel genauer angesehen:

Risikofaktoren für Vorurteile

Mit den Überschriften “Risiko Fettleibigkeit“ und “Forscher weisen höheres Sterblichkeitsrisiko durch Fettleibigkeit nach“ verweisen Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online auf eine britische Studie zu Risikofaktoren für die Sterblichkeit von Covid-19-Patient*innen. Weder Süddeutsche Zeitung noch Spiegel Online nennen in ihren Artikeln konkrete Zahlen, wie stark denn nun die Sterblichkeit durch “Fettleibigkeit“ bei Covid-19-Patient*innen erhöht ist. Dafür sind beide Artikel mit Bildern sogenannter “headless fatties“ illustriert, also mit Fotos von dicken Menschen ohne Kopf, dafür aber mit entblößten oder leichtbekleideten Bauch.

Der Fachartikel aus dem British Medical Journal auf den sich sowohl Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung beziehen, befasst sich mit dem Einfluss von Vorerkrankungen auf das Sterblichkeitsrisko von Covid-19-Patient*innen in Großbritannien. Neben dem hohen Lebensalter, dem mit Abstand höchsten Risiko für Covid-19-Patient*innen, werden in einer Tabelle eine Reihe weiterer chronischer Erkrankungen genannt, die die Sterblichkeit für Covid-19 moderat erhöhen. In dieser Auflistung steht auch hohes Körpergewicht, definiert hier als BMI größer 30. Allerdings erwähnt der Artikel auch, dass nur 11 Prozent der beobachteten rund 20.000 Patient*innen einen BMI größer 30 hatten. Nach aktuellen Erhebungen haben aber fast 30 Prozent der erwachsenen britischen Bevölkerung einen BMI im entsprechenden Bereich.

Der Artikel kann dafür keine zufriendenstellende Erklärung anbieten. Mutmaßlich hätten nicht alle Ärzt*innen den BMI bei der Einweisung der Patient*innen erfasst. Was nicht im Artikel steht: Mutmaßlich haben die Ärzt*innen den BMI vor allem bei denjenigen Patient*innen erfasst, die ganz offensichtlich hochgewichtig waren, also einen BMI deutlich über 30 hatten. In jedem Fall hat die Studie durch die lückenhafte Erfassung keine Aussagekraft mehr für die Frage, ob hohes Körpergewicht ein Risikofaktor für Covid-19-Patient*innen darstellt. Dementsprechend wird in der Veröffentlichung auch gar nicht weiter darauf eingegangen – dafür aber umso ausführlicher auf andere Risikofaktoren.

Wer hingegen die Überschriften von SZ und Spiegel Online liest und die dazugehörigen Bilder sieht, bekommt einen gänzlich anderen Eindruck. Hier wird suggeriert, erhöhte Sterblichkeit aufgrund des Körpergewichts sei das zentrale Ergebnis der Studie. Was wiederum vor allem eines beweist: Risikofaktoren für Vorurteile sind irreführende Überschriften und stigmatisierende Bilder.

SPON
Covid-19-Beobachtungsstudie: Forscher weisen höheres Sterblichkeitsrisiko durch Fettleibigkeit nach

SZ
Covid-19: Risiko Fettleibigkeit