Die Sensibilität für Gewichtsdiskriminierung muss gestärkt werden

Zitat-Dr-Friedrich-SchorbIn der dritten Woche unserer Interviewserie zum Abschlussbericht der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in Auftrag gegebenen Studie „Diskriminierungsserfahrungen in Deutschland“ haben wir mit Dr. Friedrich Schorb gesprochen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Public Health der Universität Bremen und Mitglied im Beirat der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung.
Laut Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) wurden 634 Fälle von Gewichtsdiskriminierung geschildert. Hat Sie diese hohe Zahl überrascht, insbesondere weil ja nicht direkt nach Gewicht gefragt wurde?
Nein und ja. Nein, weil Untersuchungen aus englischsprachigen Ländern schon länger zeigen, dass Gewichtsdiskriminierung ein gravierendes Problem ist, das über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg verbreitet ist. Und seit einigen Jahren belegen auch Studien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, dass dies kein rein anglo-amerikanisches Phänomen ist. Hinzu kommen die Alltagserfahrungen, die wir alle, gleich ob dick oder dünn, kennen. Witze über Dicke, das oft gehässige Kommentieren der Figur von Kolleg*innen, Freund*innen und Verwandten ebenso wie von Fremden auf der Straße sind Alltagspraktiken, die kaum in Frage gestellt werden. „Die Sensibilität für Gewichtsdiskriminierung muss gestärkt werden“ weiterlesen

Wieviel politischer Protest steckt im Genuss eines Donuts?

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Immer mehr Anbieter „gesunder Snacks“ drängen auf den Markt. Als gesund gelten dabei vor allem Nüsse, Saaten und Trockenfrüchte. Mission More gehört dazu und hat gerade die Kampagne „Bevor du bist, was du isst.“ gestartet. Auf den Plakaten werden hierbei Genussmittel wie Donuts und Schokolade als die schlechte Wahl im Vergleich zum eigenen Produkt dargestellt. Warum eigentlich? Den zarten Schmelz einer Schokolade zu haben, ist eine sehr sinnliche Vorstellung. Die Antwort: Dafür steht die Schokolade hier nicht.
Sie dient als Symbol für eine kalorienreiche und „ungesunde“ Ernährung, die in unserer Gesellschaft mit dem dicken Körper assoziiert ist. Er ist die eigentliche Drohkulisse, die den Kaufanreiz für das „gesunde“ Produkt schaffen soll. Leider wieder ein Beispiel dafür, wie im Kontext von „gesunder Ernährung“ Gewichtsdiskriminierung entsteht.

„Iss mal weniger.“ ist einfach anmaßend

Die FAZ hat unser Beiratsmitglied, Prof. Dr. Lotte Rose, interviewt. Als Erziehungswissenschaftlerin richtet sich ihr Blick vor allem darauf, wie unsere Gesellschaft mit dicken Menschen umgeht und welche Auswirkungen das hat. Ihr Forschungsziel deckt sich dabei mit dem der Fat Studies in den USA: „Erkenntnisse [zu] produzieren, die helfen, die Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe perspektivisch zu beheben.“ Dieser Ansatz ist im deutschen Forschungsfeld deutlich unterrepräsentiert. Um so wichtiger ist es, die Aktiven zu vernetzen und ihnen eine Stimme zu geben. Der von ihr zusammen mit Dr. Friedrich Schorb herausgegebene und in diesem Jahr erschienene Sammelband „Fat Studies in Deutschland“ war in diesem Zusammenhang ein Meilenstein, an dem auch die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung mitwirken durfte.

Gewichtsdiskriminierung beflügelt den Profit

2017-02-17_EatkarusSeit Dienstag schwirrt der EDEKA-Spot „Eatkarus“ durch die sozialen Medien. Doch seine Botschaft ist eine echte Bruchlandung. Denn zum Träumen braucht es keine Wespentaille – zum Fliegen übrigens auch nicht. Unterstützen Sie unsere Protestaktion auf und Twitter und Facebook, indem Sie unser Bild teilen. Eine gute Übersicht der bisherigen Kritik am Spot finden Sie in folgendem Artikel:
Artikel im Zeit-Blog „Teilchen“
Alles, nur kein Kugelmensch

Foodwatch: Essensretter nur für dünne Menschen?

weight-watch„Kein Junkfood-Marketing mit Comicfiguren!“, mit diesem Aufruf ermunterte Foodwatch im Dezember seine Mitglieder dazu, Studio 100 anzuschreiben. Ziel der Aktion: Figuren wie Biene Maja und Wickie sollen zukünftig nur noch zur Bewerbung von „gesunden Lebensmitteln“ eingesetzt werden, „die Eltern guten Gewissens kaufen können“, so Foodwatch.
Eine sehr unglücklich gewählte Formulierung, denn die Aufteilung von Lebensmitteln in Gut und Böse ist fruchtbarer Boden für Essstörungen und damit, was Förderung und Erhalt der Gesundheit anbelangt, kontraproduktiv. Zur Illustration der Notwendigkeit der Aktion stellte der Verein den dicken Körpers als sich epidemisch ausbreitende Krankheit dar und hat damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kombination dick und gesund weiterhin eine gesellschaftlich undenkbare bleibt.
Ja, wir brauchen Organisationen, die sich food watch zur Aufgabe machen, um die Rechte der Verbraucher*innen zu stärken, eine weitere Organisation, die sich weight watch zur Aufgabe macht, brauchen wir nicht!

Gewichtsdiskriminierende Gesundheitskampagnen gefährden ihre Gesundheit

Seit Jahren werden Studien veröffentlicht, die zeigen, dass Gewichtsdiskriminierung ein unabhängiges Gesundheitsrisiko ist, das zu Essstörungen und zu psychischen wie physischen Stressreaktionen führen kann. Ein Review über diverse Studien der letzten vier Jahre bestätigt das jetzt und zeigt zudem, dass viele Public Health-Kampagnen zur Gewichtsreduktion Gewichtsdiskriminierung noch verschärfen. „Gewichtsdiskriminierende Gesundheitskampagnen gefährden ihre Gesundheit“ weiterlesen

Miss Island verlässt Schönheitswettbewerb wegen body shaming

Die aktuelle Miss Island Arna Ýr Jónsdóttir hat einen internationalen Schönheitswettbewerb in Las Vegas vor der abschließenden Wahl zur Miss World verlassen. Der Grund: die Organisatoren haben sie aufgefordert, weniger zu essen, weil sie zu fett sei. Jónsdóttir schrieb zur Begründung für ihren Ruckzug: wenn ich ihnen zu fett bin, dann haben sie mich nicht verdient.  Jónsdóttir verließ die Veranstaltung, aber nicht die Stadt. Sie wolle sich noch ein paar Tage Las Vegas ansehen und vor allem gut Essen gehen, sagte sie CNN. „Miss Island verlässt Schönheitswettbewerb wegen body shaming“ weiterlesen

Gewichtsdiskriminierung wird olympisch

Die Sportler*innen der Olympischen Spiele stellen die Grenzen des körperlich Machbaren immer wieder neu in Frage. Sie treten an, um ihr Können zu zeigen und an ihrer Leistung gemessen zu werden, doch die Reaktionen auf die mexikanische Gymnastin Alexa Moreno (22) und den äthiopischen Schwimmer Robel Kiros Habte (24) zeigen, wie sehr beides in den Hintergrund tritt, wenn der Körper den Vorstellungen der Zuschauer*innen nicht entspricht.
Beide Olympioniken sahen sich in den sozialen Netzen einer Reihe von Kommentaren gegenüber, in denen sie als zu dick für die Sportart bezeichnet und beleidigt wurden.
Zum Artikel von BuzzFeedNews
This Gymnast Was Body-Shamed On Social Media After Her Olympic Performance
Zum Artikel von Upworthy
The internet is rallying around this Ethiopian swimmer who was fat-shamed

Sport und Spott kommen für dicke Menschen meist im Set

An dicke Menschen wird zwar immer wieder die Forderung herangetragen, dass sie Sport treiben sollen, wenn sie es tun, sehen sie sich aber nicht selten besonders deutlicher Gewichtsdiskriminierung gegenüber.
Ein extremes Beispiel hierfür ist der Übergriff von Dani Mathers. Sie machte im Fitnessstudio heimlich ein Photo von einer dicken Frau beim Duschen und stellte es mit den Worten „Wenn ich das nicht mehr aus dem Kopf kriege, schafft Ihr das auch nicht.“ bei Snapchat ein.
Zum Artikel von Wear Your Voice:
It’s Time to Face Reality: Fatphobia is Violence and Dani Mathers is a Sexual Predator

Neuer Trend im Bereich der Magen-Ops

Science-Fiction-Autoren sind wirklich wenig zu beneiden: Wenn es um die Abschaffung dicker Menschen geht, ist die Realität der Fiktion ein gutes Stück voraus. Im Bereich der Magen-OPs gibt es jetzt ein neues Verfahren, bei dem auf der Bauchdecke ein Port gelegt wird, der über einen Schlauch mit dem Magen verbunden ist. Um das Gewicht zu reduzieren, lässt der*die Patient*in 20min nach dem Essen einen Teil des unverdauten Nahrungsbreis ab.
Zum Artikel von xoJane
If Bulimia Through Your Mouth Just Isn’t For You, An Aspiration Port In Your Stomach May Be The Answer!