Wie viel Heilsamkeit steckt in Gewichtsdiskriminierung?

Die Abbildung ohne Kopf ist vor allem im Gesundheitswesen bei dicken Menschen üblich, denn durch diese Entmenschlichung entfällt die emotionale Auseinandersetzung mit der Person. Es entsteht das „Objekt Adipositas“, das in Kombination mit der gezielt unvorteilhaften Darstellung Raum für Gewichtsdiskriminierung schafft.
Heilpraxisnet.de hat auf diesen „Umweg“ verzichtet und sich direkt für die Gewichtsdiskriminierung entschieden.
screenshot-heilpraxisnet-de
Heilpraxisnet.de (Abfrage 01.03.2016)

Wenn die Pulsuhr die Abschlussnote bestimmt

Wer mit Besorgnis den Trend der Selbstoptimierung durch Apps und die Bezuschussung von Produkten wie der Apple Watch durch Krankenkassen verfolgt, wird sich in seiner Skepsis bestätigt fühlen: An der Oral Roberts University (USA) ist die Pulsuhr Pflicht und zum Zünglein an der Waage für den Erfolg geworden. Wer nicht jeden Tag 10.000 Schritte und insgesamt 150 Minuten Bewegung pro Woche erbringt, muss mit einer bis zu 20 Prozent schlechteren Note rechnen.
SPON Artikel
Armband-Zwang an US-Uni: „Bewegung macht 20 Prozent der Note aus“

WHO: "Weltweit sind 41 Millionen Kinder zu dick"

Von 1990 bis 2014 ist  die Zahl dicker Kinder unter 5 Jahren weltweit von 31 auf 41 Millionen gestiegen, berichtete die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem aktuellen Report mit dem Titel „Ending Childhood Obesity„. Besonders problematisch sei die Entwicklung in Afrika, dort habe sich die Zahl dicker Kleinkinder seit 1990 von 5.4 auf 10.3 Millionen fast verdoppelt. Kommende Gesundheitskatastrophe oder Fehlalarm? „WHO: "Weltweit sind 41 Millionen Kinder zu dick"“ weiterlesen

MDR 1 Radio Sachsen: "Dicke Herausforderungen: Wie bewegend ist der Kampf gegen die Pfunde?"

„Körper ist Privatsache“ dafür haben wir uns dies Mal auf MDR 1 Radio Sachsen stark gemacht. Die Sendung vom 12.01. ist inzwischen auch als Podcast verfügbar.
Die Gäste waren …

  • Claudia Luck-Sikorski
    Psychologin und Adipositas-Forscherin
  • Nicole Jäger
    Ernährungsberaterin und bekannt als „die Fettlöserin“
  • Prof. Jürgen Gräßler
    Inhaber des Lehrstuhls für Pathologische Biochemie an der TU Dresden
  • Natalie Rosenke
    Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung

MDR 1 Radio Sachsen
Dicke Herausforderungen: Wie bewegend ist der Kampf gegen die Pfunde?

Das Pinguin-Prinzip

Manchmal ist unser Talent vollkommen unabhängig von unserer Körperform, manchmal geht unser Talent direkt aus unserer Körperform hervor, aber immer benötigt es das richtige Umfeld, um sich zu entfalten. Ohne es zu wissen hat Eckart von Hirschhausen mit seinem Pinguin Prinzip bestens zusammengefasst, was Gewichtsdiskriminierung ausmacht und wo dabei der Denkfehler liegt.
Wir wünschen gute Unterhaltung!

Diskriminierung im Deckmantel der Fürsorge

Ein gesunder dicker Körper ist zu einer Art Unvorstellbarkeit für unsere Gesellschaft geworden. Ein glücklicher dicker Mensch steht schnell unter Verdacht, dass er sich selbst nur etwas vormacht. Dieses feindselige Klima bringt Heilsbringer hervor, die mit äußerster Vorsicht zu genießen sind – und damit meinen wir ausnahmsweise nicht die Diätindustrie, die selbst dafür Sorge trägt, dass jeder Kunde ein wiederkehrender Kunde ist.
Es geht um eine Gruppe, die man in Anlehnung an das Internet-Phänomen des s.g. Trolls vielleicht am treffensten als “Fürsorgetrolle” beschreiben könnte. Ein Fürsorgetroll würde argumentieren, dass man natürlich keinen Menschen mobben sollte, dicke Menschen zu ihrem eigenen Wohl aber mobben muss, um sie zur Abnahme zu motivieren.
Barry Deutsch hat diese Gruppe in seinem Comic „The Fat Whisperer“ (dt. der Fett-Flüsterer) hervorragend portraitiert, wie wir finden.

Die Zuckersteuer versüßt mal wieder das Sommerloch

Obwohl die Unterteilung von Lebensmitteln in gut und böse ein Nährboden für Essstörungen ist, uns den Genuss verleidet und sich nicht als Konzept für eine nachhaltige Gewichtsreduktion bewährt hat, fordern verschiedene Organisationen immer wieder dieses schwarz-weiß Denken sogar gesetzlich zu verankern. So wird in Großbritannien das Sommerloch erneut mit der Diskussion um eine  Zuckersteuer gestopft, die von der British Medical Association (BMA) gefordert wird. Die gesetzliche Abgabe soll für zuckerhaltige Getränke auf 20% angehoben werden. „Die Zuckersteuer versüßt mal wieder das Sommerloch“ weiterlesen

Der Erfolg von Diäten ist biologisch unmöglich

Wir können es Diät oder beschönigend Ernährungsumstellung nennen, was bis auf den Zusatz „Umstellung“ nichts anderes als eine Übersetzung von δίαιτα (díaita) ist, das Konzept ist heute meist das gleiche: Wir sollen etwas entweder gänzlich weglassen oder bewusst reduzieren.
Plötzlich fehlt etwas. Unser Körper hat für vergleichbare Zustände über die Jahrtausende hinweg Mechanismen entwickelt, gegen die wir nun antreten müssen. Wie einst Sisyphos rollen wir den Stein Tag für Tag neu den Berg hoch und wenn wir schließlich nach Wochen erschöpft zusammenbrechen, erklärt man uns, das wäre alles nur eine Frage der Willenskraft.
Traci Mann hat mit Ihrem Team des Eating Labs der Universität von Minnesota 20 Jahre lang unser Essverhalten erforscht und die Ergebnisse unter dem Titel „Secrets from the Eating Lab“ veröffentlicht. Ihr Fazit: Eine dauerhaft erfolgreiche Diät ist biologisch unmöglich.
Interview in der Washington Post
Why diets don’t actually work, according to a researcher who has studied them for decades

Germany’s Next Topmodel – ein Wegbereiter für Essstörungen?

Das westliche Schönheitsideal hat die Realität zu guten Teilen verlassen: Die uns präsentierte Makellosigkeit ist für niemanden erreichbar. Das bestätigen auch Models wie Cindy Crawford: „Im wirklichen Leben, ohne Make-up und gute Beleuchtung, sehe nicht einmal ich aus wie Cindy Crawford.“ oder Meaghan Kausman, die im vergangenen Jahr offen legte, wie stark ihre Bilder für die Kollektion von Fella Swim bearbeitet wurden.
Mit dem Sendungsformat Germany’s Next Topmodel hat diese Scheinwelt den Sprung vom Werbeplakat ins Unterhaltungsfernsehen geschafft – mit fatalen Folgen. Eine Studie, die vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) in Kooperation mit dem Bundesfachverband Essstörungen (BFE) e.V. durchgeführt wurde, konnte belegen, dass Germany’s Next Topmodel im Bereich von Magersucht und Bulimie ein besonders hoher Stellenwert als möglicher Auslöser und Verstärker zukommt. „Germany’s Next Topmodel – ein Wegbereiter für Essstörungen?“ weiterlesen

Ein Sport-BH für alle Fälle? Eher nicht.

Es gibt Fragen, die dicken Menschen nie gestellt werden. „Welchen Sport treiben Sie am liebsten?“ ist so eine. Immer wieder wird davon ausgegangen, dass Menschen mit hohem Gewicht generell keinen Sport machen. Diesem Vorurteil ist schwer beizukommen, da die meisten Anbieter aus dem Sport- und Fitnessbereich ausschließlich mit dünnen Models werben und teilweise mit Slogans wie „Ran an den Winterspeck!“ sogar eine Art dickes Feindbild aufbauen.
Entsprechend klein ist die Auswahl an echter Funktionskleidung selbst bei auf große Größen spezialisierten Anbietern. Immer noch dominieren hier einfache Baumwolle und Elasthan, obwohl feuchtigkeitsabführende Fasern, bekannt unter Markennamen wie Coolmax®, höchst wünschenswert wären. Dazu kommen oft vollkommen ungeeignete Schnitte vor allem im Bereich der Sport-BHs: Einschneidende Träger ohne Entlastungseffekt, kegelförmige Körbchen und schmale Seitenteile, die Falten zaubern, wo eigentlich keine waren, sind hier mehr die Regel als die Ausnahme. „Ein Sport-BH für alle Fälle? Eher nicht.“ weiterlesen