Mit Diäten zum Wahlerfolg?

Ein Artikel in der New York Times analysiert brilliant, wie Politiker weltweit Diäten als Wahlkampfargument entdecken. Während die Thematisierung des Körpergewichts bei Politikerinnen als sexistisch gilt, weil sie damit auf ihr Äußeres reduziert werden (Ausnahmen sind Politikerinnen, deren Gewicht offensichtlich über der Norm liegt, wie etwa bei der belgischen Gesundheitsministerin Maggie de Block), zeigt der Artikel, wie Politiker versuchen mit öffentlich zelebrierten Diäten beim Wahlvolk zu punkten.
Man nehme einen Politiker wie den britischen Premier David Cameron. Ein Paradebeispiel der britischen Upper Class: private Eliteschule, dann private Eliteuni, hat sich immer in elitären Kreisen bewegt, isst seinen Hotdog mit Messer und Gabel. Wie will jemand wie Cameron glaubhaft vermitteln, er sei ein Mann des Volkes? Ganz einfach: er sucht sich ein Laster, das ihn menschlich aussehen lässt.
Ja gut, er isst manchmal zu viel – Kekse und Erdnussbutter, sowas eben. Das klingt doch gleich viel sympathischer. Aber weil er ein Anführer ist und das auch gerne bleiben will, muss er natürlich zeigen, wie diszipliniert er ist, also hält er Diät. Er zieht die Sache durch und er nimmt ab. Genauso wie er es auch in der Politik hält. Was man verspricht, muss man auch halten. Wer das Land regieren will, muss sich selbst im Griff haben. Und weil Pathos nie fehlen darf, wenn es um das höchste Amt im Staat geht, wird die Diät dann eben mal zum „great patriotic struggle“.
Nicht nur Cameron versucht mit dieser durchsichtigen Masche zu punkten, auch der französische Premier Francois Hollande hat sein Gewicht zum Thema gemacht und öffentlich abgespeckt. Und genau so haben es auch die möglichen US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Jeb Bush und Mike Huckabee gehalten.
Bleibt zu hoffen, dass der Jojo-Effekt an der Wahlurne ausbleibt und derlei Unsinn von den Wählerinnen und Wählern mit einer elektoralen Null-Diät bestraft wird.