Die Zuckersteuer versüßt mal wieder das Sommerloch

Obwohl die Unterteilung von Lebensmitteln in gut und böse ein Nährboden für Essstörungen ist, uns den Genuss verleidet und sich nicht als Konzept für eine nachhaltige Gewichtsreduktion bewährt hat, fordern verschiedene Organisationen immer wieder dieses schwarz-weiß Denken sogar gesetzlich zu verankern. So wird in Großbritannien das Sommerloch erneut mit der Diskussion um eine  Zuckersteuer gestopft, die von der British Medical Association (BMA) gefordert wird. Die gesetzliche Abgabe soll für zuckerhaltige Getränke auf 20% angehoben werden. „Die Zuckersteuer versüßt mal wieder das Sommerloch“ weiterlesen

Gesetzesentwurf S.B.402: Ist ein hohes Gewicht eine chronische Krankheit?

In Nevada (USA) liegt aktuell ein Gesetzesentwurf vor, der fordert, ein hohes Körpergewicht (BMI über 30) zukünftig als chronische Krankheit zu behandeln und entsprechend zu bekämpfen. Ein hohes Körpergewicht wird hier allein als Körperform unabhängig von der objektiven körperlichen Leistungsfähigkeit / den Laborwerten und dem individuellen Wohlbefinden der Person auf eine Stufe mit chronischen Krankheiten wie Krebs gestellt. Zur Veranschaulichung: Eine Person von 1,60m Größe würde mit einem Gewicht von 78kg (BMI 30,4) bereits als chronisch krank gelten.
Die Bekämpfung soll unter anderem mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen erfolgen. Da diese Kampagnen in der Regel die Stigmatisierung eines hohen Körpergewichts und vorhandene Vorurteile verstärken, ist allerdings eher von einem gegenteiligen Effekt auszugehen. Beispiele für solche missglückten Kampagnen lassen sich auch in Deutschland finden:
„fit statt fett“
Die Kampagne von Ulla Schmidt (SPD) und Horst Seehofer (CSU) sollte 2007 dicke Kinder und Jugendliche für einen gesünderen Lebensstil begeistern – und diskriminierte sie, denn Fitness und eine hohes Gewicht schließen einander nicht aus.
Darüber hinaus soll jährlich ein Report erstellt werden, welche Kosten dem Staat durch hohes Körpergewicht entstehen. Die Diskriminierung aufgrund hohen Gewichts ist bereits Teil unseres Alltags, die Verfolgung könnte Teil unserer Zukunft werden.
Bitte unterstützen Sie die Petition der NAAFA. „Gesetzesentwurf S.B.402: Ist ein hohes Gewicht eine chronische Krankheit?“ weiterlesen

Mit Diäten zum Wahlerfolg?

Ein Artikel in der New York Times analysiert brilliant, wie Politiker weltweit Diäten als Wahlkampfargument entdecken. Während die Thematisierung des Körpergewichts bei Politikerinnen als sexistisch gilt, weil sie damit auf ihr Äußeres reduziert werden (Ausnahmen sind Politikerinnen, deren Gewicht offensichtlich über der Norm liegt, wie etwa bei der belgischen Gesundheitsministerin Maggie de Block), zeigt der Artikel, wie Politiker versuchen mit öffentlich zelebrierten Diäten beim Wahlvolk zu punkten. „Mit Diäten zum Wahlerfolg?“ weiterlesen

Gesetz gegen schlanke Models in Frankreich

Das französische Abgeordnetenhaus hat ein Gesetz verabschiedet, das es künftig unter Strafe stellt, wenn Models unterhalb eines bestimmten BMIs (der genaue Wert steht noch nicht fest) auf dem Laufsteg auftreten. Ähnliche Bestimmungen gibt es bereits in Spanien, Italien und Israel. Doch der französische Gesetzentwurf geht noch weiter. So werden nicht nur Bußgelder angedroht, sondern es können auch bis zu sechs Monate Haft für den Verstoß gegen die neuen Regeln verhängt werden. Zudem soll die „Anstiftung zur Magersucht“  mit einem Jahr Gefängnis und 10 000 Euro Geldstrafe geahndet werden. Ebenfalls unter der Androhung von Geldstrafen müssen Anzeigen, in denen Fotos von Models zu sehen sind, die nachträglich mit Bildbearbeitungsprogrammen verändert wurden, entsprechend gekennzeichnet werden.
„Gesetz gegen schlanke Models in Frankreich“ weiterlesen

Gesundheitspolitik auf mexikanisch

Knapp zwei Jahrzehnte nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell ein hohes Körpergewicht zur Epidemie erklärt hat, gilt nicht länger die USA als Hotspot der neuen „Gesundheitskatastrophe“, sondern ihr südlicher Nachbar. Mittlerweile reagiert die mexikanische Regierung auf das Phänomen mit einer Reihe von Maßnahmen, die international Aufsehen erregen. Dazu zählen unter anderem: Eine Steuer auf Softdrinks und hochkalorische Nahrungsmittel und in der Hauptstadt Mexiko-City Fitness-Automaten an Busstationen. Wer es schafft, an diesen Geräten zehn Kniebeugen zu machen, bekommt einen Schrittzähler geschenkt – finanziert wird dieser von einem Getränkehersteller, dessen Produkte als maßgeblich verantwortlich für die Gewichtszunahme angesehen werden. Ursprünglich war geplant, die Automaten in U-Bahnstationen zu integrieren. Als Preis für herausragenden Körperfleiß war ein Freiticket vorgesehen. Doch in der Metro ließen sich die Geräte aus logistischen Gründen bislang nicht aufstellen.
Die Reaktion der mexikanischen Regierung auf das steigende Körpergewicht der Bevölkerung ist beispielhaft für eine konsequente Quantifizierung und Individualisierung von Gesundheit wie sie sich in allen Staaten, die das Körpergewicht der Bevölkerung zum Problem erklärt haben, so oder so ähnlich wiederfinden. Zum einen setzt sie Gesundheit und Körpergewicht in eins: Die gesundheitlichen Probleme weiter Bevölkerungsteile werden auf ihr Körpergewicht zurückgeführt, die Lösung der gesundheitlichen Probleme liegt allein in einer Reduktion des Körpergewichts. Zum anderen individualisiert sie die Verantwortung für das Erreichen eines niedrigen Körpergewichts. „Gesundheitspolitik auf mexikanisch“ weiterlesen

Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) erkennt ein hohes Gewicht als Behinderung an

Das Wort Behinderung ist in unserem Kulturkreis negativ assoziiert. Sätze wie „Bist Du behindert, oder was?“, ob nun als Teil der Jugendsprache oder der sozialen Parodie im Kontext der Comedy, tragen an uns immer wieder den Gedanken heran, dass Behinderung ausschließlich ein geistiges oder körperliches Defizit beschreibt. Die Klassifizierung eines hohen Körpergewichts als Behinderung lehnen folglich viele dicke Menschen ab. Sie sehen sich selbst nicht als hilfsbedürftig oder in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt und fürchten die Verstärkung der Stigmatisierung eines hohen Gewichts durch dieses Label.
Dieses Verständnis von Behinderung ist mehr als unglücklich. Es führt im Allgemeinen zu Distanz und Mitleid, was Menschen mit einer Behinderung ein im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten normales, voll integriertes Leben unmöglich macht.
Wir alle sind anders – jeder auf seine Art. Viele von uns haben nur das Glück, dass sie dennoch in den errechneten Durchschnitt fallen, der uns im Alltag nicht nur in Form von Treppen und Stühlen begegnet. Wenn wir uns das vor Augen führen und Behinderung damit weniger als „behindert sein“ und mehr als „behindert werden“ verstehen, wird es uns allen leichter fallen, unsere Unterschiede anzunehmen. „Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) erkennt ein hohes Gewicht als Behinderung an“ weiterlesen

Abgelehnt wegen Kleidergröße 42

Eine Frau bewirbt sich für die Geschäftsführung des „Borreliose und FSME Bund Deutschland“. Das Gespräch läuft gut. An der fachlichen Kompetenz der Bewerberin scheint niemand zu zweifeln. Doch dann wird ihr per e-mail mitgeteilt, dass sie „im jetzigen Zustand so natürlich kein vorzeigbares Beispiel“ sei. Der Grund: ihr „enormes Übergewicht“, das einer „figurmäßigen Entgleisung“ gleichkäme und daher den „Ernährungs- und Sportempfehlungen“ des Vereins zuwider laufe. Ein angebotenes „Gespräch über ihr Gewicht“ lehnt die Bewerberin dankend ab. Stattdessen klagt sie vor Gericht auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes AGG  (umgangsprachlich auch als Antidiskriminierungsgesetz bekannt) auf Entschädigung. Den ersten Prozess am Arbeitsgericht Darmstadt hat sie jetzt verloren. Doch sie hat angekündigt, in Berufung zu gehen.
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BILD: "Strafsteuer für Dicke!"

Immer wieder geistert das Gespenst der Fettsteuer durch die politischen Debatten. Einige Länder haben Sie schon eingeführt, andere, wie Dänemark, schaffen sie gerade wieder ab. Dass Fettsteuern die Bevölkerung nicht dünner und erst recht nicht gesünder machen, tut nichts zur Sache. Dass sie dicke Menschen stigmatisieren, indem sie die Botschaft verbreiten, wegen der Kosten, die aus Dickleibigkeit angeblich resultierten, müssten nun alle tiefer in die Tasche greifen; dass sie vor allem diejenigen treffen werden, die jetzt schon den größten Teil ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgeben und deren Auswahl beim Einkaufen dementsprechend kleiner wird, ist ebenfalls kein Grund das Thema ein für allemal einzumotten.
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